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von Christian Hönicke

Veröffentlicht am 29.05.2019

Pankows Parks sollen Eintritt kosten. Zumindest stark von Touristen genutzte wie der Mauerpark. Dort soll auch der Einlass begrenzt werden. Das sieht das neue „Tourismuskonzept Pankow 2018+“ vor, das nun vom Bezirksamt veröffentlicht wurde. Das Konzept stelle das „konkrete strategische Fundament“ für die „weitere touristische Entwicklung im Bezirk Pankow“ dar, so das Amt. Es beinhalte „praxisnahe Handlungsempfehlungen“ und „umsetzbare Maßnahmenpakete“. Erstellt hat es die „BTE Tourismus- und Regionalberatung“ im Auftrag des Bezirksamts.

Als wesentlicher Punkt wird im Konzept die „Sicherung der Aufenthaltsqualität in der Stadt“ aufgeführt. Denn an touristischen Hotspots entstünden längst „Konflikte, durch die sich viele Anwohner mehr und mehr zurückgedrängt und in ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen“. Man müsse daher „die tourismusinduzierten Überlastungserscheinungen“ minimieren und steuern. Dazu gehöre auch die „intensive Pflege der öffentlichen Infrastruktur“ wie Müllbeseitigung und Grünflächenpflege.

Damit ist Pankow derzeit überfordert – nicht zuletzt wegen des Personalmangels im Straßen- und Grünflächenamt. Das Tourismuskonzept sieht daher für den Bezirk die Einführung von „Regulierungsinstrumenten zur Minimierung bzw. Steuerung von lokalen Overcrowding-Effekten“ vor. Neben „Sensibilisierungs- und Respekt-Kampagnen“ wird mit „Priorität: hoch“ und „mittelfristigem“ Zeitrahmen folgender Punkt aufgeführt:

„Konkret, bspw. im Mauerpark z.B.

  • Einlassbeschränkungen
  • Eintrittsgelder mit Teilerstattungssystem bei dem ein Teil des Geldes für die Grünflächen- /Infrastrukturpflege des Parks aufgewendet wird, der andere Teil des Geldes kann in Form eines Gutscheins bei teilnehmenden Leistungsträgern und im Einzelhandel als Rabatt eingelöst werden“

Wichtig sei dabei, die Besucher „über den Grund und die Verwendung der Eintrittsgeldgenerierung“ aufzuklären. Nicht klar hervor geht aus dem Konzept, ob nur Touristen oder auch Berliner zu den „Besuchern“ gehören, die zur Kasse gebeten werden sollen. Und wie die Einlasskontrollen praktisch umgesetzt werden könnten.

Mit der Maßnahme würde Pankow sich einem weltweiten Trend anschließen. Auch in Venedig, Dubrovnik oder Amsterdam begrenzt und bepreist man inzwischen die Nutzung der öffentlichen Infrastruktur durch Touristen. In Florenz ist wegen des zunehmenden Mülls seit kurzem sogar der Verzehr von „To-Go-Essen“ auf der Straße verboten.

Die Regulierung des Städtetourismus und Beteiligung von Besuchern an Infrastrukturkosten hatte unlängst auch der niederländische Tourismus-Experte Stephen Hodes im Tagesspiegel-Interview gefordert. Er schlägt vor, Touristen in einen „Stadtviertel-Investitionsfonds“ einzahlen zu lassen – so soll etwa die Pflege von Grünflächen finanziert werden, die besonders stark unter dem Tourismus leiden. Die Lenkung von Besucherströmen von der Innenstadt in Außengebiete sieht Hodes allerdings kritisch: „Das ist nur ein Vorwand für mehr Wachstum.“

Dies wird dennoch als Kernziel des Gesamtberliner und auch Pankower Tourismuskonzepts ausgegeben. Man will von Touristen überfüllte Quartiere vor allem in Prenzlauer Berg entlasten. „Aufgrund von bereits bestehenden punktuellen Überlastungserscheinungen in zentrumsnahen Quartieren“ werde ein Wachstum der Besucherzahlen dort „derzeit nicht weiter angestrebt“.

Durch eine „dynamische Besucherlenkung“ sollen Touristen stattdessen in die Pankower Peripherie gelockt werden: „Vielmehr sollen die Besucherströme so gelenkt werden, dass eine möglichst stärkere Verteilung über alle Ortsteile hinweg stattfindet. Die Identifizierung und Inszenierung zusätzlicher, zentrumsfernerer touristischer Angebote ermöglicht es zukünftig auch den entlegeneren Ortsteilen, ihre Wertschöpfung aus dem Tourismus zu steigern.“ So sollen zum Beispiel die Schutzgebiete des Naturparks Barnim in Norden Pankows besser touristisch erschlossen werden. Und wenn es da irgendwann auch zu voll wird, kann man ja Eintritt kassieren.

Christian Hönicke ist Pankower. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.