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von Christian Hönicke
Veröffentlicht am 06.02.2020
wohnen Sie in der Beuthstraße? Vermutlich bald nicht mehr. Das Bezirksamt Pankow hat soeben ein Umbenennungsverfahren für die Straße in Niederschönhausen eingeleitet. Hintergrund ist die jüngste Entscheidung der Beuth-Hochschule für Technik, sich von ihrem Namensgeber zu distanzieren. Professor Achim Bühl hatte in der Hochschule ein Gutachten vorgestellt, nach dem der ehemalige preußische Ministerialbeamte Christian Peter Beuth einen „rigiden, völkischen und exterminatorischen Antisemitismus“ vertreten habe. Demnach hatte er das Verbluten jüdischer Jungen nach ihrer Beschneidung als „wünschenswerte Folge“ bezeichnet und behauptet, die Juden wollten die Christen „ausrotten“ und würden „Christenkindern das Blut abzapfen und trinken“.
Auch aus Pankow könnte Beuth bald verschwinden. Die nach ihm benannte Straße endet zu allem Überfluss auch am Selma-und-Paul-Latte-Platz. Der wurde erst vor kurzem benannt: nach einem jüdischen Unternehmerpaar, das einst in Niederschönhausen lebte und im KZ Theresienstadt umgebracht wurde. „Eine Umbenennung der Beuthstraße ist derzeit in Prüfung“, bestätigt der zuständige Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (B’90/Grüne). Ein Bürger habe dies schon 2018 beim Bezirksamt angeregt.
Nun sei das Umbenennungsverfahren eingeleitet worden, sagt Kuhn. „Hierfür wurde zunächst der Fachbereich Museum und bezirkliche Geschichtsarbeit um fachliche Stellungnahme gebeten. Von dort liegt aktuell noch kein Ergebnis vor.“ Parallel dazu wird unter Einbeziehung diverser Gremien bereits ein alternativer Name gesucht.
Wahrscheinlich ist, dass die Beuthstraße künftig nach einer Frau benannt wird. Die Maßgabe gilt derzeit für Straßenneubenennungen im ganzen Bezirk. Sobald die amtsinternen Arbeitsschritte alle absolviert seien, „erfolgt ein Beschluss des Bezirksamtes“, sagt Kuhn. „Mindestens 3 Monate vor dem Wirksamwerden der Umbenennung erfolgt dann die offizielle Bekanntgabe der Umbenennung im Amtsblatt.“ – Text: Christian Hönicke
Foto: Foto: imago/Schöning
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