Kiezkamera

Veröffentlicht am 11.04.2019 von Christian Hönicke

Hundeattacken auf Schwäne am Weißen See. Die Schwäne gehören zum Weißen See wie das Milchhäuschen und das Strandbad. Doch Naturschützer fürchten um ihr Überleben. Immer wieder würden sie von Hunden attackiert, in den vergangenen Tagen sei ein trauriger Tiefpunkt erreicht worden. Mindestens drei Attacken habe es gegeben und vier der fünf Eier des brütenden Paars seien seit Dienstag verschwunden, schreibt uns unser Leser Jürgen Erdmann. „Leider sind die Schwäne nun von ihrem Nest am DAV-Bootssteg vertrieben worden.“

Zwei Angriffe von freilaufenden Hunden auf die Schwäne bei ihrem Nest erlebte der Hobby-Fotograf Herbert Schwenk in den vergangenen Tagen aus nächster Nähe. Auf seinem Blog hat Schwenk die Attacken mit Fotos dokumentiert. Am 4. April habe ein unangeleinter Hund die brütende Schwänin und den männlichen Schwan, der das Nest verteidigte, brutal attackiert: „Es war unfassbar anzusehen, wie selbst die Besitzerin ihren Hund nur mit letzter Mühe bändigen konnte.“ Das Bild oben zeigt einen weiteren Angriff am 8. April. Ob das Verschwinden der Eier im Zusammenhang mit den Hundeattacken stehe, „ob ein Angriff von Raubtieren stattgefunden hat oder ob es sich gar um Barbarei von Menschenhand handelt“, könne er aber nicht sagen.

Der Zustand am Weißen See hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt. Der Park ist stark übernutzt und vermüllt, gerade an den Wochenenden wacht kein Bezirkspersonal über die Einhaltung von Regeln wie dem Grillverbot. Die Attacke auf die Schwäne sei „sehr ärgerlich“, sagte Pankows Umwelt- und Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD) auf Nachfrage. Allerdings sei wegen des Personalmangels im Ordnungsamt wenig Besserung in Sicht. Die erhofft er sich durch die neuen, vom Senat bewilligten Ranger für innenstädtische Grünanlagen. Derzeit sei das Straßen- und Grünflächenamt dabei, diese zu rekrutieren (siehe Kiezgespräch).

Das Schwanenpaar hat das verbliebene Ei zurückgelassen und links neben dem Strandbad ein neues Nest eingerichtet. Das soll ein Zaun beschützen – den engagierte Mitarbeiter des Grünflächenamts und der BSR gemeinsam mit dem Umweltschützer Ralf Gräfenstein dort aufgestellt haben.

Gräfenstein fürchtet, dass Brut und Aufzucht am neuen Standort durch die Belagerung des Uferbereichs durch Menschen (was nicht erlaubt ist), Wildangler (dito) und freilaufende Hunde (ebenso) nicht gelingen werden. Gräfenstein macht für die Gesamtsituation am Weißen See die Behörden verantwortlich. Man habe vieles in den Nullerjahren laufen lassen, nun werde es immer schlimmer. „Man darf auch nichts mehr bei Verstößen sagen, man wird sofort aggressiv angegangen“, klagt er. „Ohne Kontrollen und wirksame Ahndung von Ordnungswidrigkeiten wird das nicht mehr besser werden.“

Gräfenstein fordert deshalb Schwerpunktkontrollen am See vom Ordnungsamt – „so etwas würde sich bei den Ordnungssündern, insbesondere den uneinsichtigen Hundehaltern, herumsprechen“.

Foto: Herbert Schwenk

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