Kiezkamera

Veröffentlicht am 01.08.2019 von Christian Hönicke

Wassermassen im Gleimtunnel – da schrillen bei vielen die Alarmglocken. 2016 stapelten sich nach einem Unwetter in der Unterführung zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen die Autos, die darüberliegende Brücke musste auf Einsturzgefahr geprüft werden. Auch das Unwetter am Montag flutete den Tunnel wieder (siehe Foto), dessen Durchfahrt noch immer für den Autoverkehr voll gesperrt ist.

Grund für die Sperrung ist der Bau eines Regenwasserstauraumkanals unter dem angrenzenden Mauerpark durch die Berliner Wasserbetriebe bis Ende des Jahres. „Der Zeitplan steht und hat sich nicht geändert“, sagt Stephan Natz, der Sprecher der Wasserbetriebe. „Auch das Unwetter hat uns kaum betroffen.“

Zwar sei der Gleimtunnel kurzzeitig etwa kniehoch überflutet gewesen, sagt Natz. „Das ist aber alles relativ schnell wieder abgeflossen. Es ist auch nichts in unsere offene Baugrube gelaufen.“ Der Gleimtunnel werde bei stärkerem Regen immer mal wieder überflutet, weil er so niedrig liege, sagt Natz. Problematisch werde es für die Wasserbetriebe jedoch, wenn das Regenwasser nicht durch die Kanalisation ablaufen könne. Das sei bei der Überflutung 2016 so gewesen – „die war kurz nach der Lindenblüte, dadurch waren die Gullys verstopft“.

Mit Sorge betrachtet Natz vor diesem Hintergrund, dass der Sackgassen-Tunnel immer stärker verdreckt. „Es gibt zentimeterhoch Taubenkot, aber auch jede Menge anderen Dreck, Sperrmüll, weggeworfene Grills.“ Obwohl die Wasserbetriebe dafür nicht zuständig seien, „machen unsere Leute jetzt dort mal richtig sauber, wir spritzen da mit einem großen C-Rohr durch.“ Natz regt zur Vorsorge an, den Tunnel regelmäßig zu säubern: „In der Woche müsste es dort mindestens einen Tag Parkverbot geben, damit die BSR durchfahren kann.“ In der Praxis werde der gesperrte Tunnel von den Anwohnern als Parkhaus genutzt.

Von einer Gefahr durch die darüber liegenden ehemaligen Bahnbrücken hat Natz aber nichts gehört. Der Informationsfluss ist hier zäh – Bahn, Bezirk und Land ringen seit Jahren um die Zuständigkeit. Offenbar weiterhin ohne Ergebnis. Das Bezirksamt Pankow und die Senatsverkehrsverwaltung teilen auf Anfrage mit, man wisse nichts von unmittelbar drohender Einsturzgefahr infolge des Unwetters. Pankow verweist auf die Bahn und die Senatsverwaltung. Letztere teilt dagegen mit, Ansprechpartner für die Brücke und verkehrssicherungspflichtig für Straße darunter sei das Bezirksamt Pankow: „Es handelt sich um eine alte Bahnbrücke, die nicht vom Land Berlin zu unterhalten ist.“

Die Verkehrsverwaltung bestätigte in dem Zusammenhang immerhin, dass der Gleimtunnel noch bis Anfang 2020 für Autos gesperrt bleibt – und nicht wie ursprünglich verkündet nur bis Ende Juni. „Mit der Öffnung des Gleimtunnels ist ab Januar 2020 zu rechnen“, teilt Sprecherin Dorothee Winden auf Nachfrage mit. Die Sperrung gilt seit Dezember 2018 auf Wunsch der Polizei zum Schutz der Fußgänger, weil Autofahrer die vorherige Einbahnstraßenregelung ignoriert hätten. Der einst kommunizierte Juni-Termin sei „ein banales Missverständnis“ mit den Wasserbetrieben gewesen, so Winden: „Es war immer geplant, dass die Sperrung bis Januar 2020 bleibt.“ / Foto: A. Puell  – Text: Christian Hönicke
+++
Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den – kompletten – Pankow-Newsletter, den wir Ihnen einmal pro Woche kompakt mailen, gibt es ganz unkompliziert und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de

Fotografieren Sie in Ihrem Kiez oder anderswo im Bezirk? Bitte senden Sie Ihre Bilder an: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de