Kiezkamera

Veröffentlicht am 19.03.2020 von Christian Hönicke

Richtig oder gefährlich? Wochenmärkte bleiben geöffnet. Trotz Corona lässt Berlin seine Wochenmärkte offen. Die sind explizit von den Ladenschließungen ausgenommen. So werden auch an diesem Wochenende viele Menschen am Kollwitzplatz oder am Südstern ihre Lebensmittel kaufen. Auch Berlins ältester Wochenmarkt auf dem Pankower Dorfanger (siehe Foto) bleibt am Sonnabend und Sonntag geöffnet. „Noch gilt die Ausnahme laut Corana-Eindämmungsmaßnahmen-Verordnung des Senats vom 17. März“, teilt Pankows zuständiger Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) mit. „Falls es da neue Vorgaben seitens des Senats gibt, werden wir die unverzüglich umsetzen.“

Eine Zweiteilung der Berliner Marktsituation beobachtet dabei Nikolaus Fink. Er betreibt viele Wochenmärkte in Neukölln, etwa die am Herrmannplatz, am Maybachufer und an der Parchimer Allee, dazu den am Südstern in Kreuzberg. Laut Fink kommt gerade den kleinen Märkten derzeit eine große Bedeutung zu: „Man sieht jetzt, wer die Nahversorgermärkte für den Kiez sind.“

Die bisherigen Besucherattraktionen mit einem Mischangebot bekämen dagegen Probleme: „Die großen Märkte wie das Maybachufer kranken. Da haben wir einen Rückgang von 70 Prozent, weil die Touristen fehlen und sich vermutlich auch Einheimische wegen der Größe abgeschreckt fühlen.“

Dabei sind Wochenmärkte für Fink derzeit die beste Einkaufsmöglichkeit. „Sie finden auf großen Plätzen an der frischen Luft statt und sind eine Einkaufsmöglichkeit mit wenig Ansteckungs- und Verbreitungsgefahren“, sagt er. Dabei komme man nicht mit Türgriffen, Geländern oder Einkaufswagen in Berührung. Weil die Waren meist aus der Region stammten, seien auch die Transportwege der Produkte kürzer und „damit die Anzahl der Hände, durch die sie gegangen sind“. Ohnehin können Coronaviren nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung aufgrund ihrer „geringen Umweltstabilität“ auf Oberflächen nur kurze Zeit ansteckend wirken.

Allerdings reagieren auch die Marktbetreiber auf die Ausbreitung des Coronavirus. Sie vergrößern die Abstände zwischen den Ständen und reduzieren die Sitzmöglichkeiten. „Wir haben auch generell weniger Stände, das sieht nicht so schön aus, aber es dient der Sache“, so Fink. Gerade auf den Samstagsmärkten habe es letztes Wochenende lange Schlangen gegeben, „deshalb geben wir Lebensmittelständen nun mehr Raum und lassen Non-Food-Stände eher weg“.

Die Besucher würden mit Aushängen und durch die Standbetreiber zudem aufgefordert, jederzeit Abstand zu halten. An Tischen dürfe man zum Essen nur noch auf einer Seite sitzen. Dennoch macht sich Fink Sorgen: „Wenn das alles noch länger geht, stehen wir bei den Händlern vermutlich vor massenhaften Insolvenzen.“

Ähnlich sieht die Prognose bei reinen Flohmärkten aus. „Die Situation ist gerade für die Händler existenzbedrohend“, sagt Rainer Perske, der Berlins größten Flohmarkt im Mauerpark betreibt. Dorthin kommen sonntags normalerweise bis zu 40.000 Menschen – das ist derzeit undenkbar. „Wir haben schon seit vergangener Woche geschlossen“, sagt Perske. „Alles andere wäre ja unverantwortlich. Bei den Menschenmassen wäre das der ultimative Corona-Brutherd.“ / Foto: Ulrike Scheffer

– Text: Christian Hönicke

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