Kiezkamera

Veröffentlicht am 30.07.2020 von Caspar Schwietering

Mit, nun ja, Spannung dürfte so mancher Nutzer des 200ers auf den Tag blicken, an dem die Linie auf elektrischen Betrieb umgestellt wird. Die BVG will den genauen Tag jetzt noch nicht verraten, nur so viel: „Ende August“ sei es soweit, teilte Pressesprecher Nils Kremmin auf Nachfrage mit. An der Endstation an der Michelangelostraße in Prenzlauer Berg steht zumindest schon einmal die Technik, mit der die Akkus der Busse aufgeladen werden. Ein bisschen erinnert das an Wasserkräne der Dampflokzeit, nur dass jetzt eben jetzt kein Wasser, sondern Saft fließt.

Und das funktioniert so: Der Bus stoppt unter dem „Stromkran“ (fachmännisch: Schnellladesäule). Während Bus und Fahrer Pause machen, senkt sich ein Pantograf (siehe Foto) auf elektrische Kontakte im Dach des Fahrzeugs, und der Akku wird in Minutenschnelle geladen. Vorteil dieser Technik: Der Bus muss fürs Laden nicht den Betriebshof ansteuern.

Erstmals setzt die BVG auf dem 200er elektrische betriebene Gelenkbusse ein, die derzeit noch ihre Tests absolvieren. 17 Stücke bringen die Bewohner des Mühlen- und Bötzowviertels künftig abgasfrei (und hoffentlich pünktlich) zum Alexanderplatz und weiter über Leipziger Straße, Potsdamer Platz, Philharmonie zum  Bahnhof Zoo (und wieder zurück). Wer in den Elektro-Schlenkis sitzt, leistet einen Dienst an der Wissenschaft:  Die TU Berlin begleitet das Projekt im Rahmen eines Forschungsprojekts.

Fast 17 Millionen Euro kostet das Ganze, wovon die BVG jene Kosten übernimmt, die für den Kauf vergleichbarer Dieselbusse (schätzungsweise 5,5 Millionen Euro) angefallen wären. Der Bund gibt noch einmal  4,3 Millionen Euro hinzu, das restliche Geld kommt vom Land Berlin. Verkehrssenatorin Regine Günther (Bündnis 90/Grüne) dreht gleich das große Rad: „Die ersten E-Gelenkbusse sind ein weiterer Meilenstein für den Klimaschutz und die Modernisierung der BVG.“

Übrigens: So neu sind elektrische betriebene Busse in Prenzlauer Berg nicht. Im Jahr 1951 – aus Anlass der „Weltfestspiele der Jugend und Studenten“ eröffneten die Ost-Berliner Verkehrsbetriebe die Oberleitungsbuslinie O 40. Sie verband den Robert-Koch-Platz in Mitte mit dem Ostbahnhof in Friedrichshain. Die Busse fuhren dabei auch ein kleines Stück die Prenzlauer Allee hoch und bogen in die Straße Prenzlauer Berg ab, um am Königstor die Greifswalder Straße zu kreuzen – wo heute auch der 200er vorbeifährt.

1953 folgte dann noch die Linie O 30, die, aus Lichtenberg und Friedrichshain kommend, in Höhe des heutigen Europasportparks Prenzlauer Berg erreichte. Über die heutige Conrad-Blenkle-  und John-Schehr-Straße ging’s via Greifswalder Straße in Richtung Stadtzentrum.  Zum Jahreswechsel 1972/73 wurden beide Linien auf Dieselbusse umgestellt. Der letzte O-Bus fuhr aber erst ein knappes Jahr später – auf der Linie O 37 in Lichtenberg. – Foto und Text: Björn Seeling

Fotografieren Sie in Ihrem Kiez oder anderswo im Bezirk? Oder haben Sie gar alte Aufnahmen vom O-Bus in Prenzlauer Berg? Bitte senden Sie Ihre Bilder an: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de

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