Kiezkamera

Veröffentlicht am 18.02.2021 von Christian Hönicke

„Abzocke“: Wer auf dem Strich parkt, soll Strafe zahlen. Mit Verwunderung und Verärgerung bemerkte unsere Leserin Daniela W., dass sie nach einem Einkauf in Prenzlauer Berg plötzlich einen Strafzettel am Auto hatte. Nicht wegen Falschparkens, sondern wegen falschen Parkens. Nach nur zehn Minuten Einkauf habe sie bereits ein Ticket in Höhe von 19,90 Euro am Auto gehabt, schreibt Frau W.: „Ich habe eine sogenannte Vertragsstrafe erhalten, weil ich auf dem Riesenparkplatz Ostseestraße 25 nicht ganz genau die weißen Linien beim Parken beachtete.“

Der Parkplatz ist in Privatbesitz und gehört zu einem Gewerbegebiet mit diversen Einkaufsmärkten. Lange waren diese Parkplätze vor Supermärkten ein Geheimtipp für Parksuchende – doch damit ist es seit einiger Zeit vorbei. In Ballungsräumen lassen die großen Supermarktketten ihre Parkplätze nun durch externe Firmen „bewirtschaften“. Wer zu lange parkt, muss Strafe zahlen. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Die Supermarkt-Ketten verteidigen das Vorgehen. Gerade in Städten würden ihre Stellplätze zunehmend durch Nicht-Einkaufswillige zweckentfremdet. Für den Parkplatz an der Ostseestraße ist die Firma ‚Safe Place‘ zuständig. „Mit dem System sollen vor allem Dauerparker und Pendler bekämpft werden“, sagte André Westhoff, Geschäftsführer von „Safe Place“, der „BZ“. „Eigentlich ist das nicht neu, in Australien und Neuseeland wird es schon länger verwendet, nur hier war man noch etwas zögerlich.“

Da es sich um private Flächen handelt, greift hier nicht die StVO. Vielmehr gehen die Parkenden einen Vertrag mit der Betreiberfirma ein. Wenn sie gegen die Regeln verstoßen, die sichtbar ausgeschildert sein müssen, handeln sie sich im Zweifel eine Vertragsstrafe ein.

Und offenbar geht es dabei nicht mehr nur um die Parkdauer, sondern auch um millimetergenaues Parken. „Parken außerhalb gekennzeichneter Flächen“ brachte jedenfalls Frau W. den Strafzettel ein. Einige Bewirtschafter nutzen zur Überwachung der Flächen inzwischen sogar Sensoren im Boden der Stellplätze, die Zeit- und auch Markierungsüberschreitungen automatisch registrieren.

Für ihre Grenzüberschreitung wollte Frau W. aber nicht zahlen. Sie legte Widerspruch ein – in diesem Fall mit Erfolg. „Ich habe mich bei Aldi Nord beschwert und bekomme das Geld zurück“, sagt sie. „Das kostet jedoch Zeit. Viele Leute zahlen lieber und haben dann ihre Ruhe. Ich finde das weiter einfach nur dreist und reine Abzocke.“ – Foto: privat – Text: Christian Hönicke

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