Kiezkamera

Veröffentlicht am 04.03.2021 von Christian Hönicke

„Bloomlets“ statt Parkplätze: „Klimastraße“ im Kollwitzkiez mit temporären Bäumen geplant. Nach den Parklets (siehe Kiezgespräch) kommen die „Bloomlets“: Der Kollwitzkiez soll testweise eine „Klimastraße“ mit temporären Bäumen erhalten. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschloss vergangene Woche nach einem rot-rot-grünen Antrag, das Bezirksamt solle „zeitnah eine Machbarkeitsstudie für ein Pilotprojekt einer Klimastraße“ vergeben.

Ausgewählt dazu wurde die Hagenauer Straße, eine recht kurze, steinerne Gründerzeit-Häuserzeile. Der Beschluss geht zurück auf das Engagement von Anwohner:innen, die unlängst die Anwohnerinitiative “Klimastraße Hagenauer” gegründet haben. Sie beklagten in der Videositzung der BVV, dass ihre Straße die einzige im Kollwitzkiez ohne Bäume sei und sich deshalb im Sommer besonders stark aufheize. „Die Bürgersteige sind eng und häufig stehen darauf Fahrräder, Lastenräder und Motorräder, da geeignete Abstellflächen fehlen.“

Gegründet wurde die Initiative vor einem Jahr von der Anwohnerin Julia Gerometta. Seit vielen Jahren hätten viele Nachbarn in der Straße den Wunsch, die unwirtliche Straße zu begrünen und zu verschönern. Eine von der Initiative durchgeführte Befragung in der Straße ergab, dass sich 85 Prozent der teilnehmenden Anwohner:innen mehr Bäume wünschen.

Die Initiative hatte daher im August 2020 einen öffentlichen „Kieztalk“ organisiert und schon mal einen „Pionierbaum“ temporär aufgestellt (siehe Foto, der Baum steht immer noch da). Auch Bettina Jarasch war da – sie ist inzwischen Spitzenkandidatin der Grünen für die Berliner Bürgermeisterwahl.

Nun soll die „Klimastraße“ Realität werden. Die BVV spricht sich für eine Begrünung im Rahmen eines Pilotprojekts aus. Das Bezirksamt soll die „schrittweise Umwandlung der baumlosen Hagenauer Straße in eine kühlende und Wasser speichernde Klimastraße mit multifunktionaler Nutzung, Aufenthaltsqualität und Flächen für die Nachbarschaft, die den Fußverkehr, die Verkehrssicherheit und die Barrierefreiheit stärkt, und die durch Änderung der Flächennutzung CO2 einspart sowie Artenvielfalt stärkt und Lebensräume für geschützte Wildtierarten schafft“ prüfen, heißt es im Beschluss. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Konkret soll die Machbarkeitsstudie „die Aufstellung von 4 klimaangepassten Bäumen in Pflanzgefäßen mit integrierter Sitzgelegenheit und Wasserspeicherung (‚Bloomlets‘) im Straßenraum“ zusätzlich zum „Pionierbaum“ vorsehen. Dazu sollen vier der 100 Auto-Parkplätze in der Straße entwidmen und entsiegelt werden. Die Bäume will die Initiative selbst durch Spenden und eingeworbene Fördermittel finanzieren. Auch die Pflege der Bäume will sie selbst übernehmen. „Damit werden erste Elemente einer Klimastraße versuchsweise und reversibel umgesetzt“, heißt es im BVV-Beschluss. Es könne erprobt werden, wie die Neugestaltung des Straßenraums von allen Seiten angenommen werden.

Das Bezirksamt zeigt sich aufgeschlossen für den „Klimastraßen“-Plan. „Ich halte das Ansinnen gerade angesichts der Klimaerwärmung und der Wasser-Strategie Berlins für nachvollziehbar“, eklärt der zuständige Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) auf Nachfrage. Er werde das Pilotprojekt „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen unterstützen“. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden wohl in kurz-, mittel- und längerfristig umsetzbar eingeordnet. „Kübel aufstellen geht sicher am schnellsten.“ Nun müsse geprüft werden, ob die Machbarkeitsstudie durch den Seant gefördert werden könne.

Die BVV will es dabei jedoch nicht belassen. Die „Klimastraße Hagenauer Straße“ sei sogar „als Pilotprojekt für einen Maßnahmenmix zu betrachten“, der künftig auf andere Straßen und Freiflächen ausgeweitet werden könne, heißt es im BVV-Beschluss. „Als weitere Perspektive könnte die Klimastraße Hagenauer Straße mittelfristig Bestandteil eines neuen grünen Netzes werden, das die fußläufige Erreichbarkeit der Grünflächen Helmholtzplatz, Kollwitzplatz, Park am Wasserturm, Marie, Leisepark, Volkspark Friedrichshain und Mauerpark verbessert.“ / Foto: Delia Baum – Text: Christian Hönicke

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