Kultur
Künstlerateliers in der Grabbeallee 34 gekündigt
Veröffentlicht am 04.07.2019 von Patricia Wolf
Künstlern in Berlin-Pankow gekündigt. Am vergangenen Sonntag fand in Niederschönhausen eine Kunstaktion statt. Mit Bannern und einem „Botschaftskuchen“ protestierten bei Gluthitze die Künstler gegen den Abriss ihrer Ateliers, die sich im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen australischen Botschaft in der DDR befinden – hier die Lage. Weichen sollen die Künstler, da das Gebäude aller Wahrscheinlichkeit nach im Leerstand verkauft werden soll. Wie es mit dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, das allerdings stark sanierungsbedüftig ist, weitergeht, bleibt unterdes unklar. Die Mietverträge der Künstler liefen zum 30. Juni aus.

Seit mehr als zwei Jahren besteht das Atelierhaus mit mehr als 30 Kunst- und Kulturschaffenden. Der Eigentümer, die Firma Prexxot, hatte im März 2017 den Künstlerinnen und Künstlern angeboten, die Räumlichkeiten zur Zwischennutzung zu einem geringen Mietpreis anzumieten. Die Umsetzung der Eigentumswohnungen, die der Eigentümer plante, verzögerte sich mehr und mehr. Aus einer Zwischenlösungs-Mietsituation wuchs die Vision, das Atelierhaus zu einem „kulturell- und kunstbezogenem Öffentlichen Haus“ zu entwickeln. Eine Vision, die als Angebot an Berlin formuliert ist. Doch trotz beharrlicher Vernetzungs- und inhaltlicher Arbeit gelingt es bisher nicht, die notwendige finanzielle Unterstützung zu sichern.
Der Bau mit seiner modernistischen Plattenstruktur steht par excellence für eine Architektur der Siebziger Jahre, geplant von einer Gruppe um den Architekten Horst Bauer, der auch das Cafe Moskau in der Karl-Marx-Allee entwarf. Im Jahr 2014 gab es Pläne, den Bau abzureißen, was allerdings 2015 verhindert werden konnte. Weil die Fassade großflächig mit Keramikarbeiten von Hedwig Bollhagen verziert ist, steht die ehemalige Botschaft nun unter Denkmalschutz.
Der Eigentümer selbst nennt die Maßnahme „Revitalisierung eines denkmalgeschützten Bestandgebäudes“ mit insgesamt 25 Eigentumswohnungen. Der seit der Privatisierung 2010 mehr als zehnfach gestiegene Kaufpreis für das Objekt liegt gerade bei 8,5 Millionen. Den Künstlerinnen und Künstlern wurde vom Eigentümer ein Vorkaufsrecht eingeräumt. „Bei diesem Preis kann weder eine selbst organisierte Gruppe noch die/der durchschnittliche Bewohner*in von Berlin sich die daraus entstehenden Mietkosten leisten“, sagen die dort arbeitenden Künstlerinnen und Künstler, die das Atelierhaus nicht aufgeben wollen. Derzeit sind sie auf der Suche nach finanziellen Unterstützern wie etwa Sammlern, die dazu beitragen können, den Kaufpreis aufzubringen.
Der Protest der Künstler gilt freilich nicht nur der Situation der ehemaligen Botschaft, sondern generell den prekären Arbeitsbedingungen von Künstlern: „Kunst- und Kulturschaffende in Berlin sind besonders betroffen von der prekären Wohn- und Arbeitsraumsituation. Es ist fast nicht mehr möglich, Lebens-, Arbeits- und Präsentationsräume für künstlerische Arbeit zu finden.“ Im Namen des Vereins äußert sich Jeanette Heene (Künstlerin): „Niemand sollte die Immobilienwirtschaft dadurch subventionieren, dass sie ihr Recht auf Stadt, Zugang zu Arbeits-, Wohn- und Freiraum, opfert. Wir sehen keine Option, als zu bleiben und sind auf die Unterstützung von der Stadtgesellschaft angewiesen.“ Mehr Infos hier: botschaftbleibt.org. – Text: Patricia Wolf
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