Kultur

Mauerpark: Bezirk will Schallschutzschalen - aber nicht dafür zahlen

Veröffentlicht am 25.07.2019 von Christian Hönicke

Neues Kapitel in der Debatte um den Krach im Mauerpark: Das Bezirksamt Pankow will zwar „Schallschutzschalen“ gegen Musiklärm erlauben – aber nicht dafür zahlen. „Das Bezirksamt wird weder als Bauherr noch als Finanzierer auftreten“, teilt der zuständige Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (B‘90/Grüne) mit. Die sogenannten „Acoustic Shells“ soll stattdessen der Verein „Save Mauerpark“ auf eigene Kosten in dem öffentlichen Park errichten. Die erste Schale könnte Anfang September testweise aufgestellt werden.

Die Schalenlösung wurde vom Verein nach vermehrten Anwohnerbeschwerden angeregt, um die Straßenmusik im Park zu retten und die Anrainer zu schützen. Vorbild ist die preisgekrönte Schallschutzmuschel der Londoner Architekten Flanagan Lawrence für einen Park in Littlehampton. Im Mauerpark soll mithilfe ähnlicher Konstruktionen entlang der Schwedter Straße die Musik in Richtung des Stadionhangs zurückgeworfen werden. Insgesamt drei Lärmblocker schlägt Ulrich Schweizer von „Save Mauerpark“ vor: „Das wären dann drei unterschiedlich große Bühnen – Richtung Bouleplatz würden wir eine größere, unten an der Bernauer Straße eher eine kleinere bauen.“

Das Testmodell sei nun fertig geplant, sagt Schweizer. Es soll aus Holzfaserplatten bestehen, 3,60 Meter hoch und 6,50 Meter lang sein und zunächst an Sonntagen (wenn Musik im Park erlaubt ist) aufgestellt werden. Kosten wird das Modell wohl zwischen 500 und 1000 Euro. „Doch wir haben bis jetzt nur 500 Euro, die wir per Spendenbüchse im Mauerpark gesammelt haben“, so Schweizer. „Deshalb wollen wir zusätzlich Fördergelder beantragen.“ Die Club-Kommission der Wirtschaftsverwaltung habe Unterstützung angeboten.

Vor der Aufstellung fordert das Bezirksamt zudem ein Standsicherheitsgutachten zur Genehmigung. Das wird gerade erstellt. Schweizer: „Wenn alle Hürden genommen sind und sich keine zusätzlichen auftun, könnte die erste Shell im September stehen.“

Im Bezirksamt gibt man dafür zwar prinzipiell Grünes Licht – doch so ganz scheint man dort von der Idee noch nicht überzeugt.  Man werde den probeweisen Aufbau bei positivem Gutachten „wohl dulden“, sagt Stadtrat Kuhn, „insoweit sollte dies kurzfristig möglich sein.“ Welche Vor- und Nachteile die Installation habe, werde dann der Probebetrieb zeigen. Bei dauerhafter Installation müsse allerdings eine Sondernutzungsgenehmigung her.

Es bleibt die Frage: Warum überlässt das Bezirksamt eine solche bauliche Lösung komplett der Zivilgesellschaft? Zumal der Mauerpark laut BVV-Beschluss doch zum „Kulturstandort“ umgewidmet werden soll? In Musikerkreisen nimmt man an, dass man im Bezirksamt befürchtet, die Schalen könnten zu einer neuen Attraktion werden, die am Ende noch mehr Musiker anzieht. Andere Insider glauben, dass sich das Bezirksamt aus Angst vor den Lärmgegner-Initiativen davor scheut, Steuergelder für die Straßenmusik auszugeben. Laut Kuhn hat das Ganze jedoch schlicht finanzielle Gründe. Man habe schon die neuen Parkregeln beschlossen, für die Schalen sei „kein Budget vorhanden“.

Vielleicht geht man auch davon aus, dass der Stadionhang eh bald weg ist – siehe Sport.

Anzeige