Kultur

Bürgermeister sieht Kunst in Pankow massiv bedroht

Veröffentlicht am 22.08.2019 von Christian Hönicke

Bürgermeister sieht Kunst in Pankow massiv bedroht. Aus für das „Atelierhaus Australische Botschaft (Ost)“: Bis Ende August müssen die letzten Künstler das Gebäude räumen. Das ehemalige Botschaftshaus in der Grabbeallee hatte ein Immobilienentwickler erworben, der hier die Umwandlung in Eigentumswohnungen plante. „Das Bezirksamt hat sich über zwei Jahre bemüht, das Haus als Kulturstandort zu sichern“, teilte Bürgermeister Sören Benn (Linke) vergangene Woche auf der BVV mit.

Man habe die Kultursenatsverwaltung ins Boot geholt, sogar ein Kauf des Geländes durch die BIM sei geprüft worden. Doch der Preis sei zu hoch gewesen. Stattdessen griff der Humanistische Verband zu. Der will dort immerhin keine teuren Wohnungen, sondern eine Schule und eine Kita einrichten.

Dennoch malte Benn für den Kulturstandort Pankow wie auch für Berlin im Allgemeinen anhand dieses Beispiels ein düsteres Bild. Auf dem freien Markt seien die Mieten für Ateliers zu hoch – davon können auch die Künstler der „Kunstetagen Pankow“ in der benachbarten Pestalozzistraße ein Lied singen.

Auch in öffentlichen Bauvorhaben falle Raum für Kunst viel zu oft unter den Tisch, beklagt Benn. Das sei in Bebauungsplänen schlicht nicht vorgesehen. „Ich will Ihnen nichts vormachen: Wir haben die Möglichkeit im Bezirk nicht, Sorge zu tragen, dass wir ausreichend Produktionsräume für Künstler haben“, erklärte Benn. „Das wäre eine Anforderungen der Landesebene.“

Zwar will das Land Berlin bis 2020 tatsächlich stadtweit 2000 zusätzliche Räume für Ateliers sichern. Doch in Pankow fallen Benn nur zwei konkrete Standorte dafür ein: Der Bezirk plant im ehemaligen Krankenhaus in der Fröbelstraße 15 immerhin eine Teilnutzung für Kultur. Und in der benachbarten Fröbelstraße 17 (ehemalige Leichenaufbewahrungshalle) erwäge der Senat eine kulturelle Nachnutzung.

Die Künstler aus der Grabbeallee suchen derweil nach einer neuen Bleibe. Sie wünschen sich für sich und andere Künstler dazu „eine aktive Unterstützung seitens der Berliner Kulturverwaltung“. Das sei „dringend nötig“, denn Kultur brauche bezahlbare Ateliers. Text: Christian Hönicke
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den – kompletten – Pankow-Newsletter gibt’s unkompliziert und kostenlos hier leute.tagesspiegel.de.

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