Kultur

Mauerabriss: Historiker kritisiert Denkmalschutz

Veröffentlicht am 23.04.2020 von Christian Hönicke

Immer wieder merke ich an Leserzuschriften, dass der Pankow-Newsletter auch außerhalb Pankows gelesen wird. Offenbar auch in höchsten internationalen Kreisen: Ein prominenter Angestellter der UN machte mich darauf aufmerksam, dass der Artikel über den Abriss der Berliner Hinterlandmauer an der Dolomitenstraße auch in den USA diskutiert wird. Unter anderem zitierte die bekannte Museumsorganisation Smithsonian ihn in ihrem „Smithsonian Magazine“. Und auch die Kunstmarktseite Artnet griff unseren Bericht über das verschwundene 60-Meter-Stück auf.

Der Abriss sei ein Versäumnis des Denkmalschutzes, befindet der Anwohner und renommierte Historiker Bert Hoppe. „Ich habe die
Untere Denkmalbehörde und das Landesdenkmalamt kontaktiert, als im Februar an der Dolomitenstraße die Baumfällarbeiten begannen und somit abzusehen war, dass die Hinterlandmauer dort durch ein Bauvorhaben in Gefahr ist.“ Das LDA habe ihm jedoch mitgeteilt, man könne den Bauherren nicht kontaktieren, ohne einen Beleg zu haben, dass es sich tatsächlich um einen Stück der Berliner Mauer handele.

Dabei habe das LDA diese Belege selbst gehabt. „Doch die Website mit der Dokumentation aller Mauerspuren (bis zum einzelnen Sicherungskasten oder Mauerleuchten) ist vom LDA pünktlich zum 30. Jahrestag des Mauerfalls abgeschaltet worden – und die Originaldokumentation für die MitarbeiterInnen, die für die Inventarisierung von Baudenkmälern zuständig sind, nicht mehr auffindbar“, so Hoppe. Immerhin steht ja noch ein kleiner Rest der Mauer – mal sehen, wie lange noch.

Hoppe weist auf den benachbarten Mauerstreifen an der Schulzestraße zwischen Wollank- und Wilhelm-Kuhr-Straße hin und fordert, „diesen Abschnitt rechtzeitig unter Schutz zu stellen“. Von der Hinterlandmauer gibt es zwar auch hier nur noch Fragmente, aber ansonsten sei das Gelände fast unverändert geblieben: „Der Mauerstreifen ist unbebaut, es gibt noch den Kolonnenweg und die originalen Lichtmasten (mit neuen Leuchten, die dafür aber funktionieren) sowie eben die Fragmente der Mauer. Der Archäologe, der seinerzeit die Mauerspuren aufnahm, hat damals in einer Interview gesagt, hier lasse sich die Sperranlage besser als irgendwo sonst jenseits der Gedenkstätte Bernauer Straße erfahren.“

– Text: Christian Hönicke
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