Macher

Wenn Sie im Thälmannpark leben, dürfen Sie jetzt feiern

Veröffentlicht am 26.10.2017

Bis 2021 bekommen Sie keine neuen Nachbarn. Die angedachte Wohnbebauung auf dem Gelände des Güterbahnhofs Greifswalder Straße ist unter dem derzeitigen Senat vom Tisch. Die Fläche gehört zum Großteil dem Investor Christian Gérôme, der dort gemeinsam mit der Gewobag 600 Wohnungen errichten wollte. Nach jahrelangem Streit mit Anwohnern und Bezirk hatte Gérôme zuletzt an Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) appelliert, die Planung an sich zu ziehen.

Doch der Senat wird kein Baurecht im Thälmannpark schaffen. Das gab Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) nun preis: „Bei einem Treffen mit der Senatorin Frau Lompscher diesen Montag wurde klar: Der Senat wird das Verfahren nicht an sich ziehen.“ Lompschers Sprecherin Katrin Dietl verweist auf „formale Voraussetzungen (§7 AGBauGB), die regeln, ab wann der Senat ein Verfahren an sich zieht“. Das wäre bei „dringendem Gesamtinteresse Berlins“ für Bauvorhaben ab 200 Wohnungen möglich. Obwohl diese Größe im Thälmannpark erreicht würde, sagt Dietl: „Diese Grundlagen liegen im aktuellen Fall schlicht nicht vor.“ Kuhn befürwortet Wohnungsbau am Güterbahnhof, konnte sich damit allerdings nicht gegen den Widerstand von Linkspartei und SPD im Bezirk durchsetzen. So wurde den Plänen Gérômes per BVV-Beschluss im Juni eine bezirkliche Absage erteilt. Nur eine Bebauung des kleineren Teils der Fläche mit 130 Wohnungen durch die städtische Gewobag wurde in Aussicht gestellt. Doch auch dazu wird es vorerst nicht kommen, weil die Restfläche nun zu klein für einen Bebauungsplan ist. Laut Dietl entschieden Lompscher und Bezirk am Montag deshalb gemeinsam, „das Projekt auf dieser Grundlage und der deshalb nur geringen Anzahl an Wohnungen auf der Liste der Wohnungsbauvorhaben zurückzustellen“.

Möglich sind aber weiterhin Gewerbebauten. Laut §34 des Baugesetzbuchs könnte Gérôme diese nach dem Lückenschlussprinzip auf seinem Industriegelände errichten, hier hätten Anwohner rechtlich keine Handhabe. Auch im Bauamt sieht Kuhn dafür „keine gravierenden Hindernisse“. Gérôme will seine Wohnbaupläne aber trotz des Rückschlags weiterverfolgen und frühestens in fünf bis zehn Jahren über einen dauerhaften Gewerbebau nachdenken. Denkbar wären Bürohäuser oder ein Hotel, sagt er: „Aber die Stadt braucht nicht mehr Hotels, sondern mehr Wohnungen für Familien.“ Einstweilen betreibt Gérôme Zwischennutzung, die kleine Bahnhofsbaracke hat er zur Eventlocation umfunktioniert. Dort kann man nun in schickem Industrie-Ambiente Galadinners und Firmenpartys abhalten. Der Güterbahnhof lebt also erstmal weiter. Wenn das kein Grund zum Feiern im Thälmannpark ist. Christian Hönicke