Namen & Neues

Mieter in der Gleim56 warten und bangen

Veröffentlicht am 16.08.2018 von Constanze Nauhaus

In seiner eigenen Wohnung sollte man sich eigentlich sicher fühlen, selbstverständlich ist das in einem Bezirk wie Prenzlauer Berg längst nicht mehr. Aktuell bangen die Mieter der Gleimstraße 56 – wir berichteten – um ihre vier Wände, nachdem das Haus an eine dubiose GmbH verkauft wurde, die bisher nicht gerade durch sozialen Wohnungsbau hervorgetreten sein soll, so die Recherchen der Mieter. „Das ist ein richtiger Krimi, und wir sind die Spielkugel“, sagt Mieter Lothar Gröschel, der mit Nachbarn in dieser Woche zum Protestspaziergang einlädt (siehe Termine weiter unten). Der Bezirk Pankow hat noch bis zum 10. September Zeit, von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, um die Mieter des Hauses vor der Verdrängung zu bewahren.

Doch bereits jetzt äußerte Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) bei einem Treffen am Montag den Mietern gegenüber, dass ihr Haus idealtypisch für einen Vorkauf durch den Bezirk sei. Ein hohes Modernisierungspotenzial trifft hier auf einen ebenso hohen Kaufpreis: Auf 7,9 Millionen Euro beläuft sich dieser. Geld, für das der Bezirk einen potenten Drittkäufer braucht – denn der Kauf wird vom Bezirk lediglich ausgeübt, übernommen wird das Haus später etwa von einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Diese jedoch können bei den horrenden Preisen auch langsam nicht mehr mithalten. „Hier kommt der Finanzsenator als Gesellschafter ins Spiel, falls entsprechende Zuschüsse erforderlich sind“, so Kuhn. Aber: „Der Käufer kann auch immer noch die von uns übergebene Abwendungsvereinbarung unterzeichnen. Das ist auch das primäre Ziel des Vorkaufsrechts – wir würden dann den Verkauf genehmigen.“

Wann genau Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) ins Spiel kommt, will man in der Senatsverwaltung nicht veröffentlicht wissen, nur so viel: Ja, unter bestimmten Bedingungen greife man den Landeseigenen finanziell anteilig unter die Arme. Zahlen dürften allerdings nicht nach außen dringen, weil das die Spekulationsspirale weiter ankurbeln könnte, nach dem Motto: Ah, supi, bis zu diesem Betrag also kann die Stadt gehen, dann lege ich als Investor eben noch ein Milliönchen drauf. Absurd. Auf den Punkt bringt es Mieter Gröschel: „Die Spitze ist erreicht. Es kann so nicht weitergehen mit der Wohnungspolitik.“

Anzeige