Namen & Neues

Neue S-Bahnhöfe für den Blankenburger Süden

Veröffentlicht am 09.05.2019 von Gerd Nowakowski

Politik ist offenbar, wenn man nur die eigene Wahrnehmung gelten lässt. So scheint das jedenfalls in der Verwaltung von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) zu funktionieren. Beschwerden und eine „erhebliche Unzufriedenheit der engagierten Blankenburger Stadtgesellschaft mit den bisherigen Formaten der Bürgerbeteiligung“, wie es der Pankower SPD-Abgeordnete Dennis Buchner formuliert, hat man im Hause Lompscher jedenfalls nicht wahrgenommen. Stattdessen wurde dem Abgeordneten auf seine parlamentarische Anfrage hin bescheinigt, dass man bei der Bürgerbeteiligung „auf große Mitwirkungsbereitschaft und Zustimmung“ gestoßen sei. Auch von Beschwerden und unbeantwortet gebliebenen Anfragen ist der Senatorin nichts bekannt. Er habe das ganz anders wahrgenommen, betont dagegen der Abgeordnete Buchner. Senatorin Lompscher trage mit ihrer Antwort dazu bei, das „die Menschen sich nicht ernst genommen fühlen“.

Immerhin gibt die Bausenatorin zu, dass es aufgrund der „kommunizierten Inhalte zu erheblichen Irritationen in der Öffentlichkeit“ gekommen sei. Zur Erinnerung: Statt der anfänglich kommunizierten 5-6000 Wohnungen sollten im Blankenburger Süden plötzlich über 10.000 neue Wohnungen errichtet werden. Eindeutiger wird die Bausenatorin Lompscher dafür beim umstrittenen Bau einer „Tangentialen Verbindung Nord“ (TVN). Die im Flächennutzungsplan eingezeichnete Straßenverbindung ist für die Bauverwaltung als eine überholte Planung hinfällig und soll nicht realisiert werden.

Das offenbart einen interessanten Riss in der Senatskoalition: Die vom Abgeordneten Buchner dazu ebenfalls befragte Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz will sich nämlich offenbar nicht von der TVN verabschieden. Schließlich seien „die Siedlungsräume der Ortsteile Blankenburg und Heinersdorf heute bereits durch verkehrsinfrastrukturelle Defizite geprägt“, heißt es aus dem Hause der Senatorin Regine Günther (für die Grünen). Der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner wundert sich denn auch, dass „nun ausgerechnet die Grünen im Norden Berlins ihr Herz für Autos entdecken“.

Neu sind grundsätzliche Festlegungen bezüglich der künftigen verkehrlichen Infrastruktur in Berlins größten Neubaugebiet. So soll es voraussichtlich zwei neue S-Bahn-Haltestellen auf der Strecke S2 zwischen den Bahnhöfen Wartenberg und dem Karower Kreuz geben, wird von der Verkehrssenatorin Günther bestätigt. In der Planung sei bereits ein Bahnhof an der Sellheimbrücke berücksichtigt. Außerdem sei es wegen der vielen neuen Anwohner geplant, das Angebot und die Platzkapazitäten auf der S-Bahnstrecke 2 zu erweitern. Die Verkehrssenatorin unterstreicht auch, dass „unter den vorliegenden und zu beachtenden räumlichen, organisatorischen und budgetären Rahmenbedingungen die Straßenbahn das geeignetste Verkehrsmittel“ für die Anbindung und Erschließung des Wohnbaustandorts Blankenburger Süden ist. Deswegen soll die vorhandene Linie M2 bis zum S-Bahnhof Blankenburg verlängert werden. Für neue Wohnungsbaustandorte in Karow und Buch plant die Verkehrsverwaltung dagegen eine Erschließung durch Buslinien, die an das S-Bahn-Netz andocken sollen.

Abgelehnt wird der Bau eines Regionalbahnhofs in Buch, für den sich die Pankower Bezirksverordnetenversammlung ausgesprochen hat. Stattdessen ist ein Turmbahnhof Karower Kreuz geplant. Begründet wird das damit, dass mit der „Einrichtung eines Regionalverkehrshalts in Buch aufgrund der Nähe zum bestehenden Regionalbahnhof Bernau (und zum geplanten Turmbahnhof Karower Kreuz) unwirtschaftlich kurze Halteabstände für die durchfahrenden Fahrgäste verbunden“ seien.

Gegen einen Regionalbahnhof Buch spricht für die Umweltverwaltung auch, dass damit eine stärkere Belastung des Umfelds durch einen voraussichtlich steigenden Pendlerverkehr aus dem Umland verbunden sei. Der geplante Turmbahnhof Karower Kreuz habe durch die Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsangebote entlang der Stettiner Bahn und des Berliner S-Bahn-Außenringes (drei Züge je Stunde entlang der Stettiner Bahn sowie zwei Züge je Stunde auf dem Berliner Außenring) eine deutlich stärkere verkehrliche Wirkung als ein Regionalbahnhof Buch (zwei Züge je Stunde), argumentiert die Verkehrsverwaltung. Mit der S-Bahn werde etwa von Buch aus der Turmbahnhof Karower Kreuz in vier Minuten erreicht, wo es Umsteigemöglichkeiten zu Regionalzügen in alle Richtungen gibt.

Für Donnerstag, den 9. Mai, hatten auch mehrere Initiativen zu einer Demonstration in Blankenburg aufgerufen. Die Demonstration – nach Redaktionsschluss des Newsletters – stand unter dem Motto „Blankenburgs Zukunft nur mit uns“. Der Zug führte vom S-Bahnhof Blankenburg über die Bahnhofstraße nach Alt Blankenburg, wo die Abschlusskundgebung stattfinden sollte. Beteiligt waren neben der Initiative „Garten- und Siedlerfreunde Anlage Blankenburg e. V.“, deren Vorsitzende Ines Landgraf die Demonstration initiiert und angemeldet hatte, auch andere Organisationen wie „[Wir sind] Blankenburger und Berliner“ und Initiativen aus der Elisabethaue, der Ludwig-Quidde- und der Michelangelostraße. Zweck der Demonstration war es, auf die massiven Infrastrukturdefizite im Umfeld der vielen Großbauvorhaben und deren nur isolierte Berücksichtigung durch die Planbehörden aufmerksam zu machen. – Gerd Nowakowski
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