Namen & Neues

Berliner Sportverbände befürchten das Aus für das Jahnstadion

Veröffentlicht am 17.10.2019 von Caspar Schwietering

Im Streit um die Zukunft des Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark mahnen die Berliner Sportverbände zur Eile. Das derzeitige Stadion darf unter anderem wegen Brandschutzmängeln nur noch bis zum Sommer 2020 betrieben werden. Danach soll es abgerissen und durch einen Neubau in gleicher Größe (20.000 Zuschauer) ersetzt werden.

Geht es nach der Sportverwaltung von Innensenator Andreas Geisel soll das neue Stadion deshalb als Ersatzbau deklariert und ohne Bebauungsplanverfahren errichtet werden. Diese Lösung wünschen sich auch Berlins Sportverbände. In einem Brief fordern der Landessportbund (LSB) und der Berliner Fußball-Verband (BFV) die sportpolitischen SprecherInnen im Abgeordnetenhaus auf, die Mittel für den Abriss und den anschließenden Neubau rasch freizugeben.

Die Sportfunktionäre fürchten andernfalls um die Zukunft des Stadions. Denn das Stadion in der Nähe des Mauerparks steht mitten in einem dicht besiedelten Gebiet. „Der Brief ist als Warnung zu verstehen, dass das Stadion im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens nach unserer Kenntnis nicht genehmigt werden könnte“, erklärte Friedhard Teuffel, ehemaliger Tagesspiegel-Kollege und Direktor des Landessportbundes Berlin. Deshalb solle das Stadion unabhängig vom Bebauungsplanverfahren für den gesamten Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gebaut werden.

Insbesondere der Bezirk Pankow wünscht sich einen Bebauungsplan für den Sportpark inklusive des Stadions. Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) sagte dem Tagesspiegel, er sei sich nicht sicher, ob ein Neubau des Stadions wirklich nach dem Paragraphen 34 des Baugesetzbuches als bloße Sanierungsmaßnahme verstanden werden könne. Das Stadion werde immerhin um fünf Meter versetzt. Ein Bebauungsplan erhöhe deshalb die Rechtssicherheit. Kuhn will einen Bebauungsplan auch, um die Relationen mit dem Mauerpark und dem angrenzenden Sportplätzen zu klären. Außerdem wünscht er sich ein neues Verkehrskonzept für die Anlage.

In der Stadtentwicklungsverwaltung des Senats – der dritten zuständigen Behörde – hält man einen umfassenden Bebauungsplan für den ganzen Sportpark ebenfalls für wünschenswert, betont aber zugleich, dass das Stadion bereits vor Abschluss des Plans als Ersatzbau nach Paragraph 34 gebaut werden könnte.

Von dieser Kakophonie sind die Sportexperten im Abgeordnetenhaus inzwischen ziemlich genervt. „Ich werde leicht zickig, wenn ich von jeder Verwaltung etwas anderes höre“, sagte Dennis Buchner, der sportpolitische Sprecher der SPD, dem Tagesspiegel. Solange sich die Verwaltungen nicht auf einen Standpunkt einigen, werde das Abgeordnetenhaus deshalb keine Gelder freigeben.

Foto: Imago

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