Namen & Neues
So geht es Pankows Wirtschaft
Veröffentlicht am 09.04.2020 von Caspar Schwietering

Foto: Carsten Koall/dpa
Wenn sogar die „New York Times“ (leicht verwundert) Berlins Verwaltung lobt, muss etwas gut geklappt haben. Die Auszahlung von Zuschüssen für Berlins Soloselbständige und KleinunternehmerInnen durch die Investitionsbank IBB hat erstaunlich gut funktioniert. Allein in der ersten Woche überwies die Bank Hilfen in der Gesamthöhe von 1,3 Milliarden Euro. Inzwischen sind Berlins Landesmittel dafür zwar erschöpft, doch das Programm läuft weiter mit Mitteln des Bundes. Wer welche Hilfen bekommt, können Sie hier nachlesen.
In Pankow sind die Gelder schon angekommen. „Wir haben zahlreiche Rückmeldungen erhalten, dass den Antragstellern das Geld bereits überwiesen wurde“, sagt Wirtschaftsstadträtin Rona Tietje (SPD).
Doch vielen Betrieben nützen die Hilfen nichts. Denn in Pankows mittelständischer Wirtschaft haben viele Betriebe mehr als zehn Mitarbeiter. Zuschüsse bekommen diese Betriebe in Berlin bisher nicht. Besonders schlimm ist die Situation für die vielen Betriebe, die in der Gastronomie und im Tourismus tätig sind. Ihr Geschäft ist durch den Corona-Shutdown völlig zum Erliegen gekommen. Die Not im Bezirk ist deshalb groß. Zwar gibt es für den Mittelstand inzwischen Kredite, die zu 100 Prozent von der staatlichen Förderbank KfW übernommen werden. Doch viele Unternehmen zögerten, diese in Anspruch zu nehmen, sagt Tietje, „da ihre Kreditbelastungen schon hoch sind und die Ungewissheit zu groß ist“.
Tietje wünscht sich Zuschüsse für den Mittelstand. Gerade für die Unternehmen zwischen zehn und 50 MitarbeiterInnen gebe es weiter Unterstützungsbedarf, sagt Tietje. Forderungen nach Zuschüssen kommen auch aus der Wirtschaft. Heute gab der Senat dann bekannt, dass mittelständische Unternehmen, für die Kredite nicht infrage kommen, Soforthilfen beantragen können. 75 Millionen Euro stehen dafür im Nachtragshaushalt bereit. Ob die aber reichen werden, darf bezweifelt werden.
Viele MitarbeiterInnen sind in Kurzarbeit. Wie stark das Coronavirus Berlins Wirtschaft insgesamt getroffen hat, zeigen die Anträge für Kurzarbeit. Bis zum 6. April wurde diese von insgesamt rund 30.000 Unternehmen beantragt. Das gab die Arbeitsagentur heute bekannt.
Bei Stadler läuft die Produktion. Und wie geht es den Großen? Beim Zughersteller Stadler gibt es momentan noch keine Einschränkungen. Kurzarbeit hat das Schweizer Unternehmen für die circa 1000 MitarbeiterInnen in seiner Pankower Fabrik bisher nicht beantragt. Das Unternehmen erwartet auch keine Stornierungen. „Aufträge sind in der Eisenbahnindustrie ja generell langfristig angelegt und erfolgen in der Regel im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen“, sagte mir Pressesprecherin Silja Kollner. Bei den Zulieferketten zeichneten sich aber erste Einschränkungen ab. Wie es weitergehe, hänge maßgeblich von den nationalen und internationalen Maßnahmen gegen das Coronavirus ab.
So hilft der Staat den BürgerInnen. Welche Hilfen MieterInnen, ArbeitnehmerInnen, Eltern und KreditnehmerInnen in der Corona-Kriese vom Staat erwarten können, hat meine Kollegin Heike Jahberg aufgeschrieben.
Text: Caspar Schwietering,
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Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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