Namen & Neues

Schulwegsicherheit: SPD-Politiker kritisiert Verkehrsverwaltung

Veröffentlicht am 27.08.2020 von Christian Hönicke

Knapp 6000 Raser erwischte die Polizei Berlin bei Schwerpunktkontrollen zum Schulstart vor den Schulen der Stadt. Doch gerast wird weiter, jeden Tag. Besonders schwer ist es für SchülerInnen der Tesla-Gemeinschaftsschule in der Rudi-Arndt-Straße und der Filiale der Grundschule im Blumenviertel in der Conrad-Blenkle-Straße. Viele müssen nicht nur die höllische Landsberger Allee lebend überqueren, um in die Klasse zu kommen. Auch die Conrad-Blenkle-Straße ist als Abkürzung zwischen Landsberger Allee und Kniprodestraße und Zufahrt zum Velodrom berüchtigt.

Deshalb fordern Pankows Bezirkspolitiker dort seit langem Schulweg-Verbesserungen durch Querungshilfen. Doch es tue sich einfach nichts, moniert der Koalitionspolitiker Tino Schopf (SPD). Bereits im Juni 2018 habe er sich an die Senatsverkehrsverwaltung gewandt, mit verschiedenen Vorschlägen. Laut Schopf sagte die zu, an den Kreuzungen Conrad-Blenkle-Straße/Cotheniusstraße und Conrad-Blenkle-Straße/Rudi-Arndt-Straße „Querungshilfen“ zu prüfen. Dazu wurde im Oktober 2019 eine zwölfstündige Verkehrszählung durchgeführt. „Zwei Jahre sind verstrichen, und noch immer ist kein Fußgängerüberweg errichtet“, so Schopf. „Gegenüber der Senatsverwaltung kann ich für diese Antwort nur mein Unverständnis ausdrücken. Ein längeres Warten ist inakzeptabel. “

Die Senatsverkehrsverwaltung verteidigt ihr Vorgehen. Man habe doch schon Verbesserungen der Schulwegsicherheit umgesetzt, teilt eine Sprecherin mit. So sei die Fußgängerampel Landsberger Allee/Ebertystraße „modernisiert worden“ – mit zwei „Anforderungstastern“. Diese Variante der von Kritikern so genannten „Bettelampeln“ verlängere auf Tastendruck die Grünphasen für Fußgänger.

Außerdem herrsche nun Tempo 30 in der Conrad-Blenkle-Straße, erklärt die Verkehrsverwaltung – zumindest Montag bis Freitag von 6 bis 18 Uhr. Ebenfalls in der Conrad-Blenkle-Straße sei im Januar 2020 Höhe Erich-Boltze-Straße vor der Kita „Sonnenmäuse“ ein Zebrastreifen eingerichtet worden – allerdings mehrere hundert Meter nördlich von den beiden Schulen.

Eine weiterhin „schreckliche Schulwegsituation“ sieht dagegen Peter Fischer (Name geändert). Seine Kinder besuchen die Tesla-Schule, „und wir müssen jeden Morgen durch diesen Wahnsinn durch“. Trotz Tempo 30 herrsche morgens „extrem viel Verkehr und oft blankes Chaos“, viele würden Straße als Schleichweg nutzen, um den Stau auf der Danziger Straße zu umgehen. „Hinzu kommen schwere Lastwagen, die die beiden ebenfalls an der Kreuzung gelegenen Baustellen anfahren“, so Fischer.

Selbst die „Verbesserungen“, die die Verkehrsverwaltung anführte, mussten die Eltern laut Fischer „erzwingen“: „Mit einer Demo im August 2019, über die der RBB berichtete – wir haben es also nicht mit einem Fall von Einsicht oder gar Vorsorge zu tun.“

Noch im Herbst 2018 lehnte die Verkehrsverwaltung demnach das jetzt angepriesene Tempo 30 vor den beiden Schulen ab. „Da hatte mir die Verkehrsverwaltung auf eine schriftliche Bitte um Verbesserung der Situation geantwortet, dass Tempo 50 zwischen zwei Grundschulen völlig okay ist und Unfälle meistens auf das nicht verkehrsangemessene Verhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen sind“, erzählt Fischer. „Also: Die Kinder sollen halt aufpassen.“

Dass die gewünschten Querungshilfen für Fußgänger in der Conrad-Blenkle-Straße weiterhin fehlen, verwundert Fischer deshalb nicht: „Offenbar herrscht dieses Denken immer noch vor.“ Warum es überhaupt eine Verkehrszählung und einen Ortstermin zwischen zwei neu errichteten Grundschulen braucht, um den Schülern etwa durch einen Zebrastreifen mehr Sicherheit zu ermöglichen, „bleibt das Geheimnis des Senats“.

Ob die Querungshilfen nun kommen oder nicht, ist in der Tat noch unsicher. Die Zählungsdaten sollen nun ausgewertet werden, und Ende September soll dort ein „Ortstermin“ stattfinden, erklärt die Verkehrsverwaltung. Dabei werde „anhand der Ergebnisse der Verkehrszählung und der örtlichen Gegebenheiten geprüft, ob und welche Querungshilfe“ erforderlich sei.

Das klingt irgendwie nach: Ist es denn nicht womöglich doch schon sicher genug, liebe Kinder und Eltern? Antwort: siehe oben, erster Satz. Es bleibt die Erkenntnis, dass sich in der Verkehrsverwaltung noch immer nicht die Einsicht durchgesetzt hat, dass man für die Sicherheit von (Schul-)Kindern nie genug tun kann.  – Text: Christian Hönicke

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