Namen & Neues

Umbau und Baumfällungen: Prater droht Schließung

Veröffentlicht am 24.09.2020 von Christian Hönicke

Der Prater in Prenzlauer Berg ist Berlins ältester Biergarten. Nun droht dem Kulturgut in der Kastanienallee das Aus wegen Bauarbeiten. Pächterin Dagmar Hillig soll der Biergarten abgegraben werden – für eine Versickerungsfläche, damit kein Regentropfen vom Dach des benachbarten Theatergebäudes in die Kanalisation tropft. Das schreibt mein Kollege Reinhart Bünger in seinem Artikel.

Der seit 1906 bestehende „Berliner Prater“ ist ein weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannter traditionsreicher Veranstaltungsort. Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz und soll nun runderneuert werden. Sie sei dabei „überfahren worden“, sagt Hillig. „Wir erfuhren von den Plänen aus der Presse über eine Baustellenbesichtigung, die Bürgermeister Sören Benn angesetzt hatte. In der laufenden Saison sollen wir nun unseren Imbissstand abbauen.“

Erst am 16. Januar 2020 sei Hillig vom Bezirksamt über die Umbaupläne informiert worden. Der Biergarten müsse 2021 für eine Saison geschlossen werden, die Gaststätte für einen Monat. Der Abschlusstermin für die Bauarbeiten: offen. „Voraussichtlich Ende September 2021“ will man mit den Arbeiten fertig sein, schreibt das Bezirksamt Pankow.

Weil aus dem geplanten einen Jahr in Berlin schnell schon einmal drei oder vier Jahre werden, könnte das Ende der beliebten Restauration besiegelt sein. Denn über einen finanziellen Ausgleich gibt es bisher keine Verständigung. Im Zuge der Baumaßnahmen sollen auch etliche der Bäume gefällt werden. Die Sache geht wohl vor das Verwaltungsgericht Berlin. Der Bezirk Pankow wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen, schreibt Bünger – aus prozesstaktischen Gründen. Den kompletten Artikel können Sie hier lesen.

Unsere Nachfrage im Bezirksamt brachte zumindest in der Baumfrage Klarheit. Wegen „erheblicher Erdarbeiten und der denkmalgerechten Umgestaltung“ müssen laut Baustadtrat Vollrad Kuhn (B’90/Grüne) gleich 20 der 62 alten Bäume auf dem Prater-Gelände gefällt werden („überwiegend Robinien, Spitzahorn, Holunder“). Die meisten dem Untergang geweihten Bäume seien „überwiegend Wildwuchs mit starken Schäden“ oder wiesen „fehlende Standsicherheit“ auf. Dafür würden insgesamt 29 neue Bäume (Esskastanien) gepflanzt, so Kuhn: „Die können auch so groß wie die hiesigen Rosskastanien werden und werden für das Areal eine zusätzliche Aufwertung bringen.“ – Text: Reinhart Bünger, Christian Hönicke

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