Namen & Neues

Prenzlauer Berg autofrei? Bezirksamt begrüßt Initiative

Veröffentlicht am 29.10.2020 von Christian Hönicke

Um die Verkehrskonflikte in Berlin zu lösen, will die Initiative „Volksentscheid Berlin autofrei“ die Straßen weitgehend vom motorisierten Verkehr befreien. Das schreibt meine Kollegin Joana Nietfeld. Konkret soll der Bereich innerhalb des S-Bahn-Rings nahezu kfz-frei werden – in Pankow wäre das mehr oder weniger deckungsgleich mit Prenzlauer Berg.

„Ziel ist ein Gesetz, das ungefähr zwei Drittel des Autoverkehrs aus den Stadtteilen innerhalb des S-Bahn-Rings verbannt“, sagte Anne Gläser, die Sprecherin der Initiative. „Per Volksentscheid sollen alle Berlinerinnen und Berliner über die Zukunft des Verkehrs entscheiden.“ Berlin solle lebenswerter, gesünder und klimagerechter werden, fordert die Gruppe, die sich ehrenamtlich und unparteilich vor einem Jahr gegründet hat. Etwa 15 Personen treffen sich wöchentlich zum Plenum.

Öffentliche Straßen seien heute hauptsächlich dem motorisierten Verkehr vorbehalten, sagte Gläser. Dabei würden nur knapp die Hälfte der Berliner Haushalte ein Auto besitzen, innerhalb des S-Bahn-Rings sogar deutlich weniger. Bis September 2021 soll nun das Volksbegehren eingeleitet und bis dahin 20.000 Unterschriften gesammelt werden. Den kompletten Artikel können Sie hier auf tagesspiegel.de lesen.

Aber ist das überhaupt realistisch, große Teile Pankows fast ganz ohne Autos? Pankows für Straßen zuständiger Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (B’90/Grüne) signalisiert prinzipiell Zustimmung für das Unterfangen: „Ich teile grundsätzlich erst einmal die Zielrichtung der Initiative.“ Er habe zwar noch keine detaillierten Zahlen, „ich halte aber eine Halbierung des Kfz-Verkehrs im S-Bahn-Ring für machbar – aber nur, wenn die Voraussetzungen da sind“.

Diese Voraussetzungen sind das Problem. Laut Kuhn müssten „zuerst erhebliche Verbesserungen beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), für den Fuß- und Radverkehr und Alternativen auch für diejenigen, die auf ein Auto noch angewiesen sind, vorhanden sein“. Exemplarisch nennt Kuhn hier den forcierten Ausbau und die Taktverdichtung der S-Bahn, die Reaktivierung der Heidekrautbahn (samt Verlängerung bis Gesundbrunnen) und neue Radverbindungen. Dazu müsse es Mobilitäts-Hubs auch im Außenbereich mit Anschluss an den ÖPNV geben sowie bessere und komfortablere Zugänge und Umsteigemöglichkeiten an Bus- und Bahnknoten.

Flankiert werden müsste dies mit einer Umgestaltung des ruhenden Verkehrs, so Kuhn: „Kostenloses oder nur zu geringen Gebühren mögliches Parken ist dann nicht mehr möglich.“ Dazu käme „ein flächendeckendes Netz von verkehrsberuhigten Wohnkiezen und Fahrradstraßen sowie viele temporäre Spielstraßen und Begegnungszonen“ als „wichtige Bausteine einer solchen Strategie“. Pankow habe schon erste Beispiele umgesetzt und „ist dabei, weitere solcher Maßnahmen vorzubereiten und zu verwirklichen“.

Es ist also noch eine ziemlich weiter Weg, bis Pankow oder auch nur Teile davon autofrei werden. – Text: Christian Hönicke

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