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Heidekrautbahn: Spatenstich und weiterer Übergang in Wilhelmsruh

Veröffentlicht am 03.12.2020 von Christian Hönicke

Es geht voran beim Wiederaufbau der Heidekrautbahn. Der Bezirk Pankow und die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) haben eine gemeinsame „Planungsvereinbarung“ unterschrieben. Dabei wurde ein strittiger Punkt geklärt: Der Bahnübergang an der Jugendfreizeiteinrichtung des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) südlich des Wilhelmsruher Damms soll kommen. Damit sind insgesamt acht Bahnübergänge auf dem Berliner Teil der Stammstrecke in Planung. Der Bahnübergang befindet sich zwischen dem Friedhof Pankow und der Jugendfreizeitstätte bei Gleis-Kilometer 1,7 und soll dem Fuß- und Radverkehr dienen. Das hatte die Pankower BVV per Beschluss gefordert. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Die Finanzierungszusage des zusätzlichen Übergangs durch die Senatsverkehrsverwaltung steht noch aus, doch dies solle „das Vorhaben nicht aufhalten“. Davon unabhängig könne „die Einreichung des Planfeststellungsantrags seitens der NEB zügig erfolgen“, sagt Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). kann. Anfang 2021 soll dann der Antrag zur Baufinanzierung beim Bund gestellt werden.

Noch vor Jahresende muss übrigens der Bau am neuen Heidekraut-Bahnhof Wilhelmsruh starten – sonst läuft die Baugenehmigung aus.  Der erste Spatenstich  erfolgt am Freitag (11. Dezember/ab 9.30 Uhr hier im Livestream zu sehen). Der neue Bahnhof soll auf einem rund 600 Meter langen Abschnitt in der Nähe des S-Bahnhofs wiederaufgebaut werden. Dort sollen dann ab Ende 2023 Regionalbahnen der Linie RB27 abfahren und enden.

Derzeit fährt die RB27 von Karow über Basdorf nach Groß Schönebeck und Schmachtenhagen. Im Zuge der Reaktivierung der etwa 14 Kilometer langen „Stammstrecke“ von Wilhelmsruh über Schildow bis zum Anschluss an die bestehende Strecke in Schönwalde sollen bis zu acht neue oder reaktivierte Stationen entstehen. Zudem soll die Heidekrautbahn nach Süden bis Gesundbrunnen verlängert werden – dazu wird ein zweigleisiger Ausbau zwischen Gesundbrunnen und dem S-Bahnhof Schönholz geprüft.

Die Reaktivierung der Stammstrecke gehe „in Rekordtempo (nach Eisenbahnmaßstäben) vonstatten“, lobt Tobias Kraudzun von Changing Cities und dem Netzwerk Fahrradfreundliches Pankow (NFP). Auch der Einsatz von Zügen mit Brennstoffzellen-Antrieb sei ein wichtiges Signal an dieser klassischen ‚Dieselstrecke‘. Allerdings fordert er mehr Fuß- und Radüberwege.

Denn die Heidekrautbahn zerteile inzwischen gewachsene Verbindungen im Norden Pankows und Reinickendorfs, so Kraudzun – und es seien weiterhin nicht genügend Übergänge für Fußgänger und Radfahrende eingeplant. So sei zum Beispiel der S-Bahnhof Wilhelmsruh bisher „schnell zu Fuß oder mit dem Rad auf den Pfaden längs und quer zur Heidekrautbahn“ zu erreichen, sagt Kraudzun. „Auch Fahrradpendelnde aus dem Märkischen Viertel mit Ziel Innenstadt, sowie aus der Innenstadt mit Ziel PankowPark und Gewerbegebiet Zerpenschleuser Ring nutzen die Pfade zahlreich.“

Diese Pfade seien nun bedroht. Wo vor 60 Jahren die Heidekrautbahn lediglich Felder passierte, stehe jetzt ein Stadtviertel mit 40.000 Menschen, die Ziele überall in Berlin erreichen müssten. „Die künftige Erreichbarkeit des Bahnhofs Wilhelmsruh vom Märkischen Viertel und PankowPark ist immer noch nicht geklärt“, kritisiert Kraudzun. Der geplante Übergang zwischen dem Friedhof Pankow und der CVJM-Jugendfreizeitstätte bei Gleis-Kilometer 1,7 reiche nicht aus. Das sei nur die „Minimalstvariante mit dem Weg bis zur Uhlandstraße“, so Kraudzun.

Aktuell sind zwischen Bahnhof  Wilhelmsruh und Lübars nur fünf Übergänge geplant: Höhe Lengeder Straße, an der CVJM-Baracke, am Nordgraben, am Wilhelmsruher Damm und an der Quickborner Straße. Changing Cities und NFP fordern vier weitere: an der Hertzstraße, an der Lessingstraße, am Freizeitpark Lübars und am Graben 20.

Den Initiativen geht es auch nicht nur um die Bahn-Querungen, „sondern um Verbindungen für Alltagswege links und rechts der, sowie über die Heidekrautbahn“, so Kraudzun. Unter anderem müsse zwischen dem Bahnhof Wilhelmsruh und dem Wilhelmsruher Damm parallel der Bahn ein offizieller Geh- und Radweg geschaffen werden. Es sei „eine faule Ausrede“, wenn Senats- und Bezirksverwaltungen diese seit dem Mauerfall entstandenen Verbindungen nun einfach als ‚illegale Wege‘ bezeichneten. „30 Jahre lang wurde in diesem Bereich des Mauerstreifens fast nichts für Fuß- und Radwege getan – nun ist es an der Zeit, parallel mit der Reaktivierung der Heidekrautbahn auch die Wegeverbindungen zwischen den Ortsteilen und zu den ÖPNV-Stationen zu berücksichtigen.“

– Text: Christian Hönicke

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