Namen & Neues

Rückkehr zum Präsenzunterricht: Schulen "von Bildungsverwaltung allein gelassen"

Veröffentlicht am 25.02.2021 von Christian Hönicke

Die Schule startet wieder. Seit gut einer Woche dürfen auch in Pankow die ersten drei Grundschulklassen einen Hauch von Präsenzunterricht genießen – der Rest muss sich weiter mehr oder weniger effektiv besaLZen (schulisch angeleitetes Lernen Zuhause) lassen. Wir haben die Vorsitzende von Pankows Bezirkselternausschuss (BEA), Katja Ahrens, nach dem Lernprozess im Bezirk gefragt. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Frau Ahrens, wie beurteilen Sie den derzeitigen Stand der Schulöffnungen? Das lässt sich nach drei Tagen schwer einschätzen. Der organisatorische Aufwand durch die aktuellen Regelungen ist für die Schulen enorm. Von den Eltern hören wir unterschiedliches Feedback. Die meisten sind froh, dass die Kinder wieder zur Schule gehen können, andere wünschen sich mehr Öffnung und wieder andere sorgen sich wegen der steigenden Infektionszahlen und der Mutationen.
Besonders die Eltern der Schüler:innen aus Klasse 4-6 fragen sich zur Zeit, wie es weitergeht. Für die Schüler:innen aus Klasse 5 beginnt jetzt eine wichtige Zeit, denn die Noten aus diesem Halbjahr gehen in die Abschlussnoten mit ein. Wie aber zurzeit aussagekräftige Noten gegeben werden sollen, ist unklar. Auch hier fehlt es an verlässlichen Regelungen und die Perspektiven für eine Rückkehr in den Präsenzunterricht sind ungewiss.

Aus der Politik gab es Erklärungen, Schul- und Kitaöffnungen hätten oberste Priorität. Folgen entsprechende Taten? Naja. Wir sehen, dass versucht wird, etwas zu tun. Aber wenn man ganz ehrlich ist, kommt das wieder etwas spät. Die angekündigten Schnelltests gibt es erst ab Montag – also nachdem schon eine Woche Unterricht war. Die Ausstattung mit Luftfiltern in Pankow ist nach wie vor dürftig: Ein bis drei Geräte pro Schule reichen einfach nicht. Auch die Regelung zu den Masken ist schwer erklärbar. In öffentlichen Verkehrsmitteln und im Supermarkt müssen medizinische Masken getragen werden, aber in der Schule reichen Alltagsmasken aus Stoff.

Wie läuft das „Fernlernen“ für die Zuhausegebliebenen aus Ihrer Sicht? Das läuft weiterhin auf sehr unterschiedlichem Niveau. Die Schulen sind ja personell und infrastrukturell sehr unterschiedlich ausgestattet. Wir bekommen aber die Rückmeldung, dass es zumindest im Vergleich zum Vorjahr Verbesserungen in den Schulen gibt. Insgesamt fühlen sich die Schulen aber weiterhin von der Bildungsverwaltung allein gelassen. Ein ganz konkretes Beispiel ist die Organisation von Präsenzunterricht in den Klassen 1-3 und parallelem schulisch angeleiteten Lernen für die Kinder, die zu Hause sind. Die Bildungsverwaltung hat den Eltern zwar ermöglicht, selbst zu entscheiden ob die Kinder in den Präsenzunterricht zurückkommen, den Schulen aber keine Hinweise gegeben, wie der Mehraufwand von den Pädagog:innen gestemmt werden soll.

Was halten Sie von Plänen der Bildungsverwaltung, wonach Schülerinnen und Schüler auf Wunsch der Eltern freiwillig sitzen bleiben und ein Jahr wiederholen können? Mehr Flexibilität für die Kinder ist begrüßenswert, aber wir verstehen auch die Sorgen der Schulleiter. Die Schulen haben heute schon Schwierigkeiten, mit den hohen Schüler:innenzahlen umzugehen. Mit der neuen Regelung müssten also auch die Rahmenbedingungen an den Schulen angepasst werden. Das sehen wir zurzeit nicht.

Was muss dringend besser werden? Corona hat uns sehr deutlich auf ein lange bekanntes Problem gestoßen: zu wenig Platz an unseren Pankower Schulen. Daher fordert der BEA Pankow vor allem eines: schnelle Baumaßnahmen und Sanierungen an den Schulen, um den Platzmangel endlich zu entschärfen. Zurzeit hören wir leider von immer mehr Verzögerungen von Baumaßnahmen – Schulbau darf aber nicht nur auf dem Papier Priorität eins haben!

– Text: Christian Hönicke

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