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Wasserturm-Streit: Hundehalter kritisieren "Hundehasser und Egoisten"

Veröffentlicht am 18.03.2021 von Christian Hönicke

Pankows Parkdebatte geht weiter. Nun melden sich Hundehalterinnen und -halter im Streit um die Zerstörung der kleinen Grünanlage am Wasserturm in Prenzlauer Berg. „Die Hundebesitzer werden wieder in ein sehr negatives Licht gerückt“, kritisiert Anwohnerin Agnieszka Klement. Die Kritik komme von „Hundehassern und Egoisten“, dabei werde das Grün auf der Plateaufläche „aus meiner Sicht durch die Corona-Party-People verwüstet. Es wird da auf dem Rasen gepicknickt, getrunken, musiziert – und das zu Corona-Zeiten.“ Überall würden Glasscherben, Essensreste und ganze Grillausrüstungen herumliegen. „Auch die neu angelegten Hänge werden durch im Rausch rutschende Jugendliche demoliert.“ Klement machte folgendes Foto:

Ähnlich sieht das ein weiterer Nachbar. Es seien die Hundehalter, „die jeden verdammten Morgen mit Müllbeuteln bewaffnet den Platz sauber halten“, berichtet Konrad Weser. „Jeden Abend fallen Horden Pubertierender über diesen Platz her. Es werden E-Scooter in Bäume gehängt, Glasflaschen mutwillig zertrümmert und eben auch alle Freiflächen wie Hinweis- oder Infotafeln bemalt, beklebt und mit Grafftti besprüht.“ Am nächsten Morgen sei der Park dann voller Scherben und leerer Flaschen, Chipstüten und Pizzakartons. Als Beweis legt Weser dieses Bild vor:

„Es ist ja wahr, es gibt sie: Die rücksichtslosen Hundehalter, die ihre nicht hörenden Tut-Nixe und Der-will-nur-spielen-Hassos frei herumtollen lassen und dabei andere belästigen“, räumt Weser ein. Allerdings würden diese nicht die Mehrheit bilden, sondern die „absolute Ausnahme“. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Weser widerspricht auch der Darstellung des Bezirksstadtrats Vollrad Kuhn (Grüne), wonach am gesamten Wasserturm Hundeverbot herrsche: „Auf der Wiese oben ist es ausdrücklich erlaubt, Hunde an der Leine zu führen. Dass Herr Kuhn das gesamte Plateau als für Hunde verboten deklariert, verwundert mich nicht, ist er doch bei Hundehaltern im Bezirk schon bekannt für seine Ablehnung gegenüber Vierbeinern.“

Zwar sei an allen Eingängen, die zu Kinderspielplätzen führen, ein Hundeverbot ausgewiesen. Doch an den beiden Zugängen auf das Plateau sei das nicht der Fall. „Persönlich halte ich das für eine gute Lösung“, so Weser. „Die Beschilderung schließt keine Gruppen komplett aus. Das entspricht meinem Bild von einem gemeinschaftlich genutzten öffentlichen Park.“ Im Park am Wassertum sei  könne man „das bunte Leben und Treiben dieser Stadt wunderbar wiederfinden. Er ist ein öffentlicher Ort, der jedem zur Verfügung stehen sollte und nicht nur einer den Kiez gentrifizierenden Elite.“

Dem widerspricht das Straßen- und Grünflächenamt erneut. „Um die obere Plateaufläche betreten zu können, muss der Nutzer immer über eine Spielfläche gehen“, auf denen absolutes Hundeverbot gelte, teilt Stadtrat Kuhn mit. „Aus diesem Grund gilt das Hundeverbot auch oben.“ Das sei durch die Kombination „Grünanlagenschild + Spielplatz-Schild in einem Schild“ kenntlich gemacht. „Am Zugang Nummer zwei wurde extra noch ein größeres Zusatzschild angebracht, um ganz klar zu kommunizieren hier der Durchgang mit Hund nicht erlaubt ist“, so Kuhn, „es wurde aber mehrfach abgeschraubt.“

Ebenfalls eine Lanze für die Hunde und ihre Frau- und Herrchen am Wasserturm bricht Roberto Velazco Davalos. Diese seien nicht schuld an den zwei Jahre nach der Sanierung schon wieder beschädigten Flächen. „Die Kinder nutzen die Flächen an den Hängen dauernd als Fläche zum Fangespielen“, berichtet er. Der Rasen würde durch Picknicks oder Sporttreibende „immer wieder plattgemacht, ein paar nächtliche Hunde könnten so einen Schaden nicht anrichten“. Generell werde das Plateau gern „als Partyzone genutzt, und es wird einfach der Großteil liegen gelassen“.

Und auch die Behörden selbst würden sich am erst 2019 aufwendig sanierten Park-Kleinod versündigen, kritisiert Velazco Davalos. „Das Grünflächenamt war heute Mittag wohl da, um die Mülleimer zu entleeren. Und selbst die haben wohl keinerlei Respekt vor der Rasenfläche.“ Er hat folgendes Foto davon gemacht:

Was sagt das Amt zu den Reifenspuren? Damit das Grünflächenamt seine „vollumfänglich ausüben“ könne, sei „ein Befahren der Grünanlagen ganz grundsätzlich manchmal notwendig“, teilt Kuhn mit. In der Regel seien die Wege dafür ausgelegt. Zu dem konkreten Foto könne er nur spekulieren. „Ob es sich hier um Polizei, Ordnungsamt, ein Firmenfahrzeug der Baumpflege o.ä. gehandelt hat, erschließt sich mir rein auf Basis dieses Fotos nicht.“

Ist ja eigentlich auch egal, ob nun Hunde, Kinder, feiernde Teenies oder die Behörden schuld sind. Am Ende zählt das Ergebnis, und das ist ziemlich traurig. Nein, Park in Pankow möchte man wirklich nicht sein. – Text: Christian Hönicke

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