Namen & Neues

U10: DDR ließ U-Bahnlinie Mitte der 80er in zwei Varianten planen

Veröffentlicht am 06.05.2021 von Christian Hönicke

Die U10 ist wieder aufgetaucht, die SPD will eine Machbarkeitsstudie durchführen lassen. Und jetzt erinnern sich alte Bekannte an die U-Bahn-Strecke nach Weißensee. In der DDR hieß sie „Linie F“, schreibt uns Klaus Krause aus Prenzlauer Berg, der nach eigenen Angaben an der Planung beteiligt war. „Vor vierzig Jahren wurde sie zum Zwecke der Anbindung des Nordostraums schon einmal planerisch erweckt. Mitte der Achtzigerjahre war die Bauvorbereitung sehr real.“

Es habe zwei geplante Bauvarianten gegeben, „die offene Bauweise und die bergmännische Bauweise mit weniger U-Bahnhöfen“ – also ober- und unterirdisch. Er selbst habe im Zentralen Forschungsinstitut des DDR-Verkehrswesens gearbeitet, so Krause. „Wir bekamen vom Verkehrsministerium den Auftrag zur Abwicklung des Oberflächenverkehrs zwischen Alexanderplatz und Weißensee während der Bauzeit.“ Die einzigen Vorgaben seien die Linienführung der Strecke und die Lage der Stationen gewesen. „Zu Bauzeiten, Kosten und gar Baugrunduntersuchungen hatten wir nichts.“ [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Der „200-Kilometer-Plan“, der 1977 in West-Berlin auch für die östliche Teilstadt mitgeschrieben wurde, sah die „U10“ ab Alexanderplatz mit den Bahnhöfen Am Friedrichshain, Marienburger Straße, Danziger Straße, S-Bhf. Greifswalder Straße, Gürtelstraße, Falkenberger Straße und Weißensee vor.

Wie genau die DDR-Planungen aussahen, weiß Krause nicht mehr. „Leider habe ich zu damaligen Kollegen keinen Kontakt mehr“, schreibt er. „Selbst die vorgegebene Lage der Stationen erinnere ich nur noch undeutlich.“ Es seien jedoch mehrere Exemplare der Planung an das BVG-Archiv gegangen.

Er erinnert sich jedoch daran, dass die Linie F auch in Ost-Berlin weiter durchs Zentrum geführt werden sollte. „Vorbereitungen sind vorhanden. Im Bahnhof Rotes Rathaus berücksichtigt das Untergeschoss mit der Kehranlage die Bahnsteige der Linie F mit einem Anschlussstutzen Richtung Petriplatz.“ Auch im Bahnhof Stadtmitte gebe es eine vorprojektierte Tunnelführung.

So oder so ist Krause dafür, die Planung für die U10 endlich voranzutreiben. „Jetzt wird argumentiert, dass der Bau zu lange dauern würde, also nicht durchzuführen ist. Die richtige Schlussfolgerung wäre, es dauert lange, also lasst uns baldmöglichst anfangen.“ – Text: Christian Hönicke

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