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Gefahr durch Supermarkt-Lkw: Anwohner sehen Bezirksamt in der Pflicht

Veröffentlicht am 27.05.2021 von Christian Hönicke

In der Angelegenheit der gefährlichen Supermarkt-Belieferungen kritisieren Anwohner das Pankower Bezirksamt. Vergangene Woche hatten wir über die Situation am neuen Rewe-Markt in der Pappelallee in Prenzlauer Berg berichtet. Wir haben daraufhin Zuschrift von Franka Bernd erhalten (Name durch die Redaktion geändert).

Sie wohnt direkt gegenüber und schaut im Homeoffice den ganzen Tag auf die Einfahrt. „Ich kann bestätigen, dass der Gehweg meist mehrere Stunden am Tag durch Lkw blockiert wird“, schreibt sie. „Grund dafür ist nicht, dass das baulich nicht anders geht, sondern dass die Lkw nicht vollständig in die Lieferbucht reinfahren, auch weil häufig Paletten und anderes Zeug da drin steht.“ [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Fußgänger müssten dadurch „tatsächlich oft auf den Radweg ausweichen, Räder darauf hin auf die Straße, wo auch direkt die Straßenbahnschienen verlaufen, so dass die Gefahr groß ist, dass es zu einem Unfall mit ‚Rad in Schiene‘ kommt“. Sie habe das Problem schon vor einigen Monaten beim Ordnungsamt gemeldet, „die meinten, dass sie da nichts grundsätzlich machen können, sondern nur, falls sie vor Ort eine Gefahrensituation antreffen“.

Man kenne die Beschwerden, teilt das Pankows Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (AfD) mit. „Aber unsere Mitarbeiter haben sich das angeschaut und konnten nicht feststellen, dass der komplette Gehweg blockiert ist.“ Selbst wenn der Lkw in den Gehwegbereich hineinrage, gebe es immer die Möglichkeit, die Straßenseite zu wechseln.

Wie gefährlich falsch geparkte Lieferwagen sein können, zeigte sich kurz nach Krügers Aussagen. Am Donnerstagmittag wurde eine 37-jährige Radfahrerin in der Frankfurter Allee von einem Sattelschlepper getötet, als sie einem auf der Radspur parkenden Geldtransporter ausweichen wollte.

Danach kritisierten viele Radfahrer, die Ordnungsbehörden in Berlin würden Falschparken zu selten als Risiko wahrnehmen und entsprechend ahnden. Exemplarisch war ein Tweet der Berliner Polizei, die „Verständnis“ für einen Monteur äußerte, der einen Gehweg in Friedrichshain-Kreuzberg zuparkte.

Auch in Pankow ist das Ordnungsamt von einem rigorosen Durchgreifen gegen gefährliches Falschparken weit entfernt. „Es gibt begrenzten Raum in der Pappelallee“, so Stadtrat Krüger zu Supermarkt-Belieferung. „Da sind solche Konflikte vorprogrammiert.“ Sollten sich die Beschwerden häufen, „würden wir die Filialleitung darauf ansprechen“. Bisher aber sehe man dazu keinen Anlass, denn die Beschwerdelage sei „eher singulär“.

Auch andernorts im Bezirk läuft das aber offenbar schon eine ganze Weile so ab. „Die riskanten Anlieferungen beobachten wir schon seit Jahren“, schreibt uns Jens Hahn. Er verweist auf die Anlieferzone für den Edeka-Supermarkt am Pankower Garbatyplatz unmittelbar neben der Elizabeth-Shaw-Grundschule in der Grunowstraße. „Auch hier stehen die Lkw häufig auf dem Gehweg, so dass die Schüler auf die Straße ausweichen müssen.“

Eine weitere Gefahrenquelle seien die „Rangierfahrten“ der Lkw. Denn die Lkw-Fahrer müssten mithilfe der Rückspiegel rückwärts an die Laderampe heranfahren – logischerweise über den Gehweg. Hahn: „Auch bei der dortigen Konzeption scheint mir das Bezirksamt nicht den größten Tag gehabt zu haben.“ – Text: Christian Hönicke

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