Namen & Neues

Im Osten nichts Neues

Veröffentlicht am 15.07.2021 von Constanze Nauhaus

Bitte sitzenbleiben, die Fahrt geht direkt weiter. Und zwar zum Bahnhof Greifswalder Straße, wo wie berichtet für zwei Millionen Euro die Straßenbahnhaltestelle umgebaut werden soll. Ziel ist laut BVG eine „deutliche Verbesserung der Umsteigerelation S-Bahn/Tram“ und ein direkter Anschluss des Wohnquartiers Ernst-Thälmann-Park, zudem soll der unwirtliche Fußgängertunnel zwischen S-Bahn und Straßenbahn geschlossen werden. Unklar war dabei bislang, wie das Umsteigen dann erfolgen soll.

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Den aktuellen Wasserstand abgefragt hat der SPD-Abgeordnete Tino Schopf. Und, was gibt’s Neues? Laut Antwort von Senatsverwaltung und BVG befindet man sich derzeit im „Abstimmungsprozess“. Wir erinnern uns: Im August 2020 waren die Abstimmungen „noch nicht final abgeschlossen“. Zumindest sprachlich gibt es also Entwicklungen. Ansonsten eigentlich alles beim Alten: „Eine unendliche Geschichte“, so hat Schopf seine Anfrage betitelt. „Ich begleite das Projekt seit 2017, davor – seit 2013 – hat es mein Vorgänger Nikolaus Karsten begleitet. Und immer hieß es: Bald geht’s los.“ Zum Zeitrahmen äußerte sich die Senatsverwaltung in der jüngsten Anfrage lieber gar nicht erst.

Geplant ist, schon seit langem: Die Straßenbahnhaltestelle um etwa 30 Meter stadteinwärts zu verschieben, teilweise also unter die S-Bahn-Brücke. Abstellanlagen für etwa 240 Fahrräder sollen kommen. Ob es auf Doppelstockparker (wie am Bahnhof Pankow) oder einfache Anlehnbügel hinausläuft, ist noch unklar. Entstehen soll zudem eine zehn Meter breite Fußgängerfurt mit Ampel – direkt über dem jetzigen Verbindungstunnel zwischen S- und Straßenbahn, der dann geschlossen werden soll. „Angsträume“ sollen beseitigt werden, so die BVG: Der Tunnel sei „unattraktiv“ und schadhaft.

Die Schließung des Tunnels stuft Schopf als höchst problematisch ein und sieht die Sicherheit der Fußgänger gefährdet. 2017 ergab eine Studie des beauftragten Ingenieurbüros, dass täglich 32.000 Menschen am Bahnhof Greifswalder umsteigen. Hinzu kommen 13.000 Ein- und Aussteiger, macht 46.000. Diese Zahl schätzt Schopf auf mittlerweile etwa 50.000. „Und jetzt stellen Sie sich mal vor, diese Leute kommen morgens mit der Straßenbahn aus Weißensee an. Dann müssen sie warten, bis die Tram abgefahren ist, die Ampel über die Gleise grün wird, die Gleise überqueren, dort noch einmal auf Grün warten, um die Greifswalder Straße zu überqueren und zur S-Bahn zu kommen.“ Schopf befürchtet Unfälle, weil viele bei Rot über Gleise und die an dieser Stelle dreispurige Straße eilen könnten, um ihre S-Bahn noch zu erwischen.

Zudem sei es eine finanzielle Frage: „Wieso für eine halbe Million Euro einen Tunnel dichtmachen, der von vielen genutzt wird?“, fragt Schopf. Der Tunnel wurde 1986 gebaut, mit einer vorgesehenen Nutzungsdauer von 90 Jahren – von denen immerhin 55 noch übrig sind. Eine Lösung könnte ihm zufolge sein, den Tunnel zu sanieren. Der zwischen U- und S-Bahn an der Schönhauser Allee sei durch helle Fliesen und alte Fotos an den Wänden schließlich auch kein „Angstraum“. Eine Furt könnte darüber ja trotzdem errichtet werden – für mobilitätseingeschränkte Menschen eine Erleichterung.

Einen Vorteil hat die lähmende Langsamkeit des Projektes aber: Weil nun mittlerweile das Berliner Mobilitätsgesetz in Kraft getreten ist, soll der geplante Radweg breiter ausfallen. Ach so, und darf man eigentlich bei all dem ein Wörtchen mitreden? „Prinzipiell ist kein Planverfahren angedacht“, teilt die BVG mit. Dennoch werde man „zu gegebener Zeit interessierte Anwohner und Fahrgäste einbeziehen“. Frühestens Ende 2024 soll der ganze Spaß fertiggestellt sein, aber klar ist schon jetzt: Ohne Tunnel wird das Umsteigen einfach überirdisch! – Foto: Rolf Zöllner/Imago

Tagesspiegel-Kollege Robert Klages hat einen Tag auf der Ringbahn verbracht, hat Stationen und Menschen porträtiert. Seinen Text können Sie auf Tagesspiegel Plus lesen, dem kostenpflichtigen Angebot, mit dem Sie unsere journalistische Arbeit unterstützen – nicht zuletzt diesen kostenlosen Newsletter.