Namen & Neues

Neuer Knaack-Fall? Lärmschutz-Verschärfung für Jugendclub wegen Neubaus

Veröffentlicht am 23.09.2021 von Christian Hönicke

Droht dem Bezirk ein neuer Knaack-Fall? Der Jugendclub „OC23“ in Weißensee fürchtet um seine Existenz, weil das Bezirksamt ihm urplötzlich schärfere Lärmschutzauflagen gemacht hat. Die Linkspartei fühlt sich an den Fall des Knaack-Clubs in Prenzlauer Berg erinnert. Der musste 2010 schließen, weil ein Neubau nebenan errichtet wurde und der Club seinen Lärmschutz erhöhen sollte.

„Die Auflagen machen den Betrieb des Jugendclubs unmöglich“, sagt Linken-Fraktionschef Matthias Zarbock zum aktuellen Fall. „Das ist so nicht hinnehmbar, weil der Bestand des Clubs gesichert sein muss.“ Das OC23 gebe es seit 31 Jahren „und bislang wurden Konflikte mit der Nachbarschaft immer gelöst“. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Der Jugendclub in der Langhansstraße ist bekannt für seine Konzerte und Veranstaltungen. „All das soll durch die neuen Lärmschutzauflagen nicht mehr stattfinden können“, kritisiert Zarbock. Allerdings habe die Bezirksverordnetenversammlung bisher nicht herausfinden können, wer genau im Bezirksamt die Verschärfung eigentlich angeordnet hat. „Verschiedene Ämter des Bezirksamtes haben die Beantwortung unserer Fragen zu diesem Vorgang auf die Wochen nach der Wahl verzögert“, sagt Paul Schlüter, jugendpolitischer Sprecher der Linksfraktion. So oder so: Mit den erlassenen Beschränkungen dürften Kinder und Jugendliche künftig wohl keine Musik mehr machen.

„Die Jugendarbeit soll leise sein, aber Jugendliche sind nun mal nicht leise“, sagt die Jugendclub-Leiterin Nadine Hoff. Der Jugendclub sei zudem „ein Veranstaltungshaus mit ganz besonderer Atmosphäre. Die neuen Auflagen besagen nun, dass wir 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nach 22 Uhr nicht überschreiten dürfen.“ Schon die Lüftungsanlage für den großen Veranstaltungssaal überschreite diese Vorgaben, Abendveranstaltungen wären so nicht mehr möglich, sagt Hoff: „Selbst ein Gespräch abends vor dem OC23 wäre schon zu laut.“ Die Lautstärke eines normalen Gesprächs liegt bei 40 bis 60 Dezibel.

Als Grund für die Maßnahmen vermutet Hoff, dass nebenan „bis an unsere Grundstücksmauern Eigentumswohnungen gebaut werden sollen“. Auch Zarbock nimmt an, dass die Neubauten, die in der Nachbarschaft entstanden sind und weiter entstehen, der Anlass für die strengeren Auflagen sind.

Offenbar habe es „weder eine Suche nach Lösungen noch eine besondere Sensibilität für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen“ im Bezirksamt gegeben, sagt Zarbock. „Ob ein Verkauf des einen Nachbarhauses oder die heranrückende Bebauung auf dem anderen Nachbargrundstück: Auflagen zum Lärmschutz können nicht einseitig zu Lasten der Jugendarbeit ergehen.“ Schlüter fordert eine umgehende Rücknahme der Auflagen: „Wir erwarten vom Bezirksamt, dass es die bestehende Einrichtung schützt und nicht Auflagen erlässt, die die Existenz des Jugendclubs gefährden.“ – Text: Christian Hönicke

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