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"Werneuchener Wiese": SPD-Politiker verteidigt Baumfällungen, um Kinder zu schützen

Veröffentlicht am 07.04.2022 von Christian Hönicke

Der Kampf um die Eschenallee auf der Werneuchener Wiese am Volkspark Friedrichshain geht weiter. Der Verein „Pro Kiez Bötzowviertel“ hatte die beabsichtigte Fällung von 26 Bäumen zugunsten eines neuen Gehwegs an der geplanten „Schuldrehscheibe“ letzte Woche scharf kritisiert, ebenso wie die Grünen. Nun wirft SPD-Politiker Mike Szidat den „Aktivisten“ vor, „die Augen vor der Realität zu verschließen und Fakten einfach zu leugnen“ sowie schwere Unfälle von Schulkindern heraufzubeschwören.

Die Eschen würden wegen der Kriegstrümmer im Untergrund schlecht wurzeln, und die Debatte über ihre Fällung werde bereits seit Jahren geführt. Dies habe „zu Verzögerungen bei der dringendst benötigten Schuldrehscheibe geführt“. Szidat warf dem Verein vor, die Belange der Schulkinder zu ignorieren: „Es ist zutiefst erschreckend, mit welcher Ignoranz einige wenige bereit sind, achselzuckend die Gefährdung von Schulkindern zu akzeptieren und eine Abwägung zwischen Kinderschutz und Baumschutz vornehmen wollen.“

Der nun geplante betonierte Gehweg, für den die Baumreihe weichen soll, sei alternativlos, denn „die immergleichen vorgeschlagenen Alternativen sind leider keine“, sagt Szidat. Die Initiative hatte einen Schotterweg mit „wassergebundenener Decke“ vorgeschlagen, wie er in Parks üblich ist. Baumfällungen wären dann nicht nötig.

Doch laut Szidat würden mit einem solchen Weg die künftigen Schulkinder unzumutbaren Risiken ausgesetzt. Eine „große Mehrheit der BVV“ wolle jedenfalls „keinesfalls die Schulwegsicherheit der Kinder den Eigeninteressen weniger opfern, sei es auf einem aufgeweichten und im Winter glattgefrorenen ‚wassergebundenen‘ Schlammpfad schlitternd oder auf der Hauptverkehrsstraße radelnd“, so Szidat. „Denn ich möchte auch zukünftig nichts von verunglückten Schulkindern in Ihrem Newsletter lesen müssen.“

Das Bezirksamt selbst hatte bereits Mitte März argumentiert, ein Schotterweg mit „wassergebundener Decke“ sei aufgrund der flachen Wurzeln durch die Schutt- und Fundamentreste im Boden „nicht realisierbar“. Daher werde der Gehweg „normgerecht“ geplant, dazu müsste eine Reihe der Bäume gefällt werden.