Sport

Veröffentlicht am 04.04.2019 von Christian Hönicke

Jahn-Stadion: 20.000 statt 30.000. Kehrtwende beim Neubau des Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg. Dafür ist der Senat zuständig, und noch im Dezember hatte die Sportsenatsverwaltung auf Tagesspiegel-Anfrage hin erklärt: „Für den Neubau des Großen Stadions ist eine Kapazität von insgesamt 30.000 Sitzplätzen geplant.“ Sogar die Zahl 40.000 wurde demnach kurzfristig erwogen. Doch nun teilt die Sportverwaltung mit, das Stadion werde „nunmehr mit 20.000 Plätzen geplant“. Darauf hat man sich mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen geeinigt, die die Bauherrin ist.

Der Grund für die Rolle rückwärts: „Unser Ziel ist nach wie vor, das Stadion rechtzeitig für die Special Olympics 2023 fertigzustellen.“ Während der Veranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung sollen die Leichtathletik-Wettbewerbe in der neuen Arena stattfinden. Das würde nur klappen, wenn das neue Stadion eine vergleichbare Kapazität hat wie das alte (19.700 Zuschauer). Für einen größeren Bau wäre eine neuer Bebauungsplan mit mindestens zwei Jahren Vorlauf nötig. Der Senat zog die Idee deshalb zurück, prüft aber, „ob eine nachträgliche Erhöhung der Zuschauerkapazität möglich sein kann“.

Das „Große Stadion“ im Jahn-Sportpark wurde 1952 errichtet und ist nach dem Olympiastadion und der Alten Försterei die drittgrößte Arena Berlins. Aktuell spielt hier der Fußball-Regionalligist BFC Dynamo, 2015 fand das Champions-League-Endspiel der Frauen statt. Dazu kam bisher einmal im Jahr der German Bowl, das deutsche Finale im American Football.

Auch Hertha BSC trug hier schon Europacup-Spiele. Viele Fans des Bundesligisten würden sich eine dauerhafte Rückkehr auf das Gelände des alten „Exer“ wünschen. Nach der Vereinsgründung war hier die erste Spielstätte, bis Hertha im Jahre 1904 zur späteren „Plumpe“ nach Gesundbrunnen zog. Doch für Hertha ist an der Cantianstraße kein Platz. „Ein Stadion der Größenordnung, wie Hertha es will, kriegt man dort nicht hin“, erklärt der Pankower SPD-Abgeordnete und Sportexperte Dennis Buchner. „Außerdem wäre die Verkehrssituation schwierig.“

Das gesamte Areal soll stattdessen zum Inklusions- und Behindertensportpark umgebaut werden. Allein für das Stadion gab der damalige Sportstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) dabei vor einem Jahr 110 Millionen Euro als kalkulierte Baukosten an. Die neue Arena wird komplett überdacht, soll wieder eine Laufbahn erhalten und grundsätzlich auch für Zweitligafußball tauglich sein.

Die Betriebserlaubnis des alten Stadions läuft am 30. Juni aus, der Abriss soll Anfang 2020 beginnen. Allerdings gibt es noch immer keine finale Bauplanung für den Neubau. „Momentan befinden wir uns in der Vorplanungsphase“, so die Senatssportverwaltung. Ein Stadion-Planungsverfahren dauert in der Regel 12 bis 18 Monate.

Mit dem Neubau könnte demnach frühestens Anfang, eher Mitte 2021 begonnen werden. In der Machbarkeitsstudie von 2015 wurde dafür eine Bauzeit von knapp drei Jahren veranschlagt – jedoch ging man damals noch davon aus, dass dies im laufenden Betrieb stattfinden würde. Laut Insidern ist nun eine Bauzeit von zwei Jahren einkalkuliert.

Im besten Fall könnte das neue Stadion dann Anfang/Mitte 2023 stehen. Ein genauer Zeitpunkt für die Special Olympics steht noch nicht fest – da es sich um Sommerspiele handelt, dürfte aber als spätester Termin der August 2023 realistisch sein. „Es gibt nur wenig Puffer“, erklärt Buchner.

Zwar wolle man das Projekt „insgesamt beschleunigen“, sagt die Sportverwaltung nun. Doch unter 20 Monaten ist ein Stadionneubau dieser Größe kaum zu stemmen – eher könnte er sogar noch länger dauern. Verzögerungen drohen schon allein aufgrund des Handwerkermangels in Berlin, den der Bauboom ausgelöst hat.

Es wird also ziemlich eng. Vorsichtshalber gibt es schon einen Plan B: „Wenn es bis zu den Special Olympics nicht mit dem Neubau klappt“, so Buchner, „dann würde man das Mommsenstadion nehmen.“