Sport
Veröffentlicht am 12.03.2020 von Christian Hönicke
Jahn-Sportpark: Anwohner gegen Senatspläne. Nach jahrelanger Ruhe wird es auf der Zielgeraden des geplanten Umbaus im Jahn-Sportpark plötzlich richtig laut. Die Anwohner begehren gegen die Senatspläne auf, ein neues Stadion zu errichten und im Zuge der Umgestaltung des Areals bis zu 240 Bäume zu fällen. Inzwischen hat sich deswegen sogar eine Bürgerinitiative gegründet. „Hier geht es um Bürger gegen Senatswillkür“, sagt Dirk Winkel, einer der Initiatoren. Die Initiative lehnt die Umbaupläne zum „Inklusionssportpark“ in der bisherigen Form ab und fordert eine Neuplanung unter Einbeziehung der Anwohner.
Auch „Fridays for Future Pankow“ macht per Twitter gegen die Pläne mobil. Der Bau eines Parkhauses etwa „passt nicht in das Konzept Verkehrswende. Also haben wir eine kleine Aktion geplant. Sie findet diesen Freitag, um 16 Uhr am Sportpark statt.“ Dabei sollen Herzen an die Bäume gehängt werden. Schon seit einiger Zeit läuft zudem eine Online-Petition gegen Baumfällungen im Jahn-Sportpark, die inzwischen knapp 3000 Mal unterzeichnet wurde. „Die Petition richtet sich im Kern gegen die beabsichtigte Kommerzialisierung des Geländes unter dem Vorwand der Inklusion“, sagt der Initiator Thomas Draschan.
Die Senatsverwaltung verteidigt ihre Pläne. Sie bezeichnet es als „populistisch“ und „irreführend“, aus ihrer eigenen Machbarkeitsstudie von 2014 zu zitieren, die die 240 Baumfällungen und stattdessen etwa den Bau des Parkhauses aufführt. „Bei dieser handelt es sich lediglich um eine Studie und nicht um eine feststehende Planung“, heißt es in einem längerem Statement zur Thematik auf der Website der Verwaltung. Es sei noch nichts entschieden.
Die Studie wird gerade aktualisiert und soll im Sommer dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden. „Anders als öffentlich behauptet, wird kein Kahlschlag stattfinden“, so die Sportverwaltung. „Die Bäume an den Außengrenzen sowie im Eingangsbereich Cantianstraße bleiben erhalten und werden nicht gefällt. Wenn im Zuge des Stadionneubaus Bäume gefällt werden müssen, gibt es selbstverständlich Ausgleichsmaßnahmen wie z.B. Neupflanzungen.“
Auch ob es ein Parkhaus oder eher eine Tiefgarage geben soll, „ist noch nicht entschieden“. Zum von Anwohnern und dem Bezirksamt angemahnten Verkehrskonzept heißt es, es solle „veranstaltungsbezogen“ für das Große Stadion und die Max-Schmeling-Halle entwickelt werden, „um die Belastungen durch Parksuchverkehr für Anwohnende zu reduzieren“.
Für „Greenwashing-Blabla“ hält das alles Dirk Winkel. „Man will die Anwohner mit diesem ausweichenden Statement für dumm verkaufen“, findet auch Thomas Draschan. Die Pläne, neben dem Alba-Vereinszentrum auch ein neues Polizeigebäude auf das Gelände zu bauen, erwähne die Verwaltung im Statement zum Beispiel nicht.
Immer deutlicher zeigt sich, dass die Sportverwaltung das direkte Umfeld des Sportparks offenbar unzureichend und viel zu spät in die Planungen eingebunden hat. Und das wohl überhaupt nur, weil vorrangig der fußballbegeisterte Senator Andreas Geisel (SPD) auf den schnellen Neubau des zweitligatauglichen Stadions für 120 Millionen Euro drängt, für den ein Bebauungsplan samt Beteiligungsverfahren notwendig ist. Der Abriss des alten Stadions soll trotz rechtlicher Bedenken gegen den Neubau im Winter 2020/21 beginnen.
Die Anwohner dagegen sehen genau das neue Stadion besonders kritisch. Sie fürchten insgesamt einen Wandel zum „Eventpark“ und wollen den Mehrwert der Anlage für das Umfeld erhalten. Dirk Winkel von der Bürgerinitiative wirft der Senatsverwaltung insbesondere vor, dass „ein Gegeneinander von Baum-/Parkbefürwortern und Sportlern künstlich konstruiert wird“. Dabei seien „beide Perspektiven wunderbar vereinbar – es muss kein einziger Baum für Sportanlagen weichen, wenn diese richtig geplant werden.“ Auch Anwohner Thomas Draschan hält die geplanten Abrisse, Baumfällungen und den Bau von Autostellplätzen für „nicht mehr zeitgemäß“. Der Bedarf des Umfelds werde schlichtweg ignoriert: „Unterm Strich werden die Nutzungsmöglichkeiten für Anwohner zugunsten des professionellen Sports eingeschränkt.“ – Text: Christian Hönicke
Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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