Sport

Veröffentlicht am 26.03.2020 von Christian Hönicke

Der Profifußball jammert, die Amateure helfen. Die so oft beschworene gesellschaftliche Bedeutung des Profi-Fußballs lässt sich derzeit nur schwer erkennen. Die Bundesligisten kämpfen vor allem um ihre eigenen Millionen und kommen dabei auf die absurdesten Ideen. Zuletzt wurde diskutiert, die Bundesliga-Saison als geschlossenes Quarantäne-Geister-Turnier zu Ende zu bringen. Erst langsam fährt die Spendenbereitschaft unter den Profis hoch, in vielen Vereinen sind sie immerhin zu Gehaltsverzichten bereit, um ihren Arbeitsplatz zu retten (die Spieler vom FC Barcelona lehnen sogar das ab). Doch wirkliches Engagement wie die Hilfe einiger Kölner Profis bei der Essensausgabe der Tafel ist die Ausnahme.

Anders sieht es in den unteren Ligen aus – dort sind die Kicker deutlich volksnäher. Spieler von Fortuna Pankow wollen nun sogar Botengänge für ihre Mitmenschen ausführen. „Wir Spieler der 1. Herrenmannschaft des FSV Fortuna Pankow möchten in der jetzigen, für viele Menschen schwierigen Situation, den älteren Menschen und Risikogruppen helfen und sie unterstützen“, schreibt uns Daniel Till von der ersten Herrenmannschaft, die in der Bezirksliga spielt. „Wir wollen Botengänge, Apothekenbesuche und Einkäufe für sie in Pankow erledigen.“ Wer zur Risikogruppe gehöre oder Unterstützung brauche, solle sich melden: entweder per Mail unter sonderzug@fortunapankow46ev.de oder telefonisch unter 0172-5473203

„Die Idee kam mir beim Joggen“, erklärt Till. „Wir hören immer den Sonderzug von Udo Lindenberg in der Kabine und singen ihn beim Torjubel. Ich dachte: Dann machen wir jetzt einen Sonderzug aus Pankow für die Menschen.“ Er habe seine Mannschaftskollegen gefragt, ob sie mitmachen wollen, und es hätten sich sofort zehn gemeldet. An drei Tagen in der Woche, die sonst für Training und Spiele reserviert seien, wollen die Spieler nun helfen.

Gleichzeitig kritisiert Till das Bild, das der Profifußball aktuell abgibt. Zwar kümmerten sich Profiklubs auch um ihre eigenen Angestellten abseits der Kicker-Millionäre. „Ich fände es aber nicht schlecht, wenn der Profifußball, der sehr viel von der Gesellschaft profitiert, nun auch ihr etwas zurückgibt, ohne dass dazu erst gesellschaftlicher Druck aufgebaut werden muss“, sagt Till. „Es könnte schon ein bisschen mehr sein, was da aus dem Profibereich kommt, das muss man auch als Fan sagen. Aber offenbar gehen viele Klubs und Spieler im Gegenteil davon aus, dass der Staat sie mit finanziellen Hilfen unterstützt.“

– Text: Christian Hönicke
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