Kiezgespräch

Veröffentlicht am 08.02.2018 von Christian Hönicke

Klassenkampf um Schulplätze. Willkommen zum nächsten Teil unserer Reihe „Pankow, deine Ämter“. Letzte Woche hatten wir hier das offenkundig unerreichbare Standesamt. Jetzt mehren sich die Eltern,  die das Schulamt tadeln möchten. Denn offenbar ist die gesetzliche Schulpflicht angesichts der legendären Ressourcenknappheiten in Pankows Amtsstuben zum (zeitlich) dehnbaren Begriff geworden. Das zweite Schulhalbjahr beginnt am Montag, und viele Eltern suchen im Zuständigkeitslabyrinth Pankow immer noch verzweifelt nach einem Platz an den überfüllten Bezirksschulen. Konkret geht es dabei um Kinder, die an der Regelschule einst als nicht beschulbar eingestuft wurden und zeitweise in speziellen privaten Tageseinrichtungen wieder schulfähig gemacht wurden. In solchen Einrichtungen wird mit den Kindern an ihrem Sozialverhalten gearbeitet. Eltern aus Niederschönhausen berichten nun davon, trotz der Bescheinigung der Wieder-Schulfähigkeit ihrer Kinder vom Bezirk komplett allein gelassen zu werden.

Das Schulamt habe sich nicht verantwortlich gefühlt, da die Kinder zuletzt in privaten Einrichtungen waren. Es habe die Eltern aufgefordert, sich bei Schulen selbst um einen Platz zu bemühen. Das Jugendamt wiederum sehe sich außerstande, sich in Belange des Schulamts einzumischen. Und die Schulen zuckten mit den Schultern, alles voll, man möge sich doch bitte beim Schulamt melden. Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) teilte mit, dass sich das Schulamt „grundsätzlich bemüht, für jeden Pankower Schüler entsprechend Schulplätze im Bezirk zu finden“. Aber die Schulplatzsituation sei ziemlich angespannt, grundsätzlich sei an allen Bezirksschulen die Kapazitätsgrenze erreicht. Man habe bereits mehrmals in allen Bezirken nach freien Schulplätzen gefragt. Die anderen Bezirke, insbesondere die Nachbarbezirke, hätten aber teilweise ähnliche Probleme. „Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir unser Möglichstes tun.“

Das sehen die Eltern anders, sie werfen dem Schulamt vor, sich wegzuducken und keinerlei eigene Bemühungen zu unternehmen. Einige haben dem Bezirk nun mit Klage gedroht, um bis Montag eine Schule zugewiesen zu bekommen. Bis jetzt ohne Reaktion. „Was sollen wir noch machen?“, fragt eine Mutter. In anderen Bezirken werden regelmäßig Schulschwänzer durch die Polizei in die Klassenräume gebracht. Die Eltern in Pankow fürchten nun, dass sie ihre Kinder demnächst mit Blaulicht vorfahren lassen müssen, um das Recht auf Bildung an einer Schule durchzusetzen.

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