Kiezgespräch

Veröffentlicht am 22.03.2018 von Christian Hönicke

Brauchen wir andere Spielplätze? Das Pilotprojekt zur Spielplatzrettung läuft an. In der Dusekestraße haben Eltern nun den Verein „Kiezinseln“ gegründet. Er will nicht nur „pragmatische und nachhaltige Lösungen zur Öffnung gesperrter Spielplätze in Pankow finden“. Langfristig will er sich für mehr Kinderfreundlichkeit in Pankow einsetzen und in diesem Zuge auch ein neues Leitbild für Spielplätze im Bezirk erstellen. „Kinder brauchen keine teuren Geräte, sondern vor allem Freiräume“, sagt der Vereinsvorsitzende Christoph Weyl. Erstes Zwischenziel und Anlass der Vereinsgründung ist die Wiedereröffnung des wegen Baufälligkeit gesperrten Spielplatzes in der Dusekestraße. Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (B‘90/Grüne) hat das Vorhaben als Pilotprojekt auf dem Gebiet des Bürgerengagements ausgerufen.

Derzeit sind 150 der 220 Pankower Spielplätze sanierungsbedürftig und somit von der Schließung bedroht. Das offizielle Bezirksprogramm sieht aber nur zwei Komplett- und zehn Teilsanierungen pro Jahr vor. Den Finanzbedarf gibt Kuhn inzwischen mit rund 50 Millionen Euro an, vor allem aber fehlt Personal. Das Bezirksamt zeigt sich deswegen offen für Bürgerinitiativen.

An der Dusekestraße hat man sich nun auf ein erstes Modellvorgehen geeinigt. Dort wurden einst aufwändige Stahlkonstruktionen errichtet, deren Instandsetzung teuer ist. Die hohen Wiederherstellungskosten überfordern aktuell den Haushaltsplan des Bezirkes. Eine Öffnung wäre frühestens 2022 möglich. In Absprache mit Bezirksamt plant „Kiezinseln“ an zwei Samstagen in Mai und Juni Aktionstage, an denen das baufällige Spielgerät abgeräumt werden soll. Interessierte können sich per Mail melden, die Helfer werden über das Land Berlin versichert.

Um auch die großen Spielgeräte abzureißen und zu entsorgen, will der Verein Unternehmen gewinnen. „Wir sind dafür auf Spenden angewiesen“, sagt Weyl. Als Größenordnung sind 50 Euro pro Unterstützer angepeilt, zudem sucht „Kiezinseln“ nach weiteren Quellen. “Es gab schon erste positive Gespräche mit möglichen Förderern”, so Weyl. Nach der Räumung will der Verein auf eine schnelle versicherungstechnische Abnahme drängen, um den Spielplatz Dusekestraße ohne Aufbauten im Juli, spätestens im August als „Bewegungslandschaft“ wiedereröffnen zu können.

Danach soll Phase zwei beginnen, die Neugestaltung. Dafür setzt „Kiezinseln“ tiefer an. Er will eine Debatte über die veränderte Bedeutung von Spielplätzen anstoßen und in Absprache mit dem Bezirk ein neues Leitbild erarbeiten. „Kinder brauchen eigentlich nur Platz, keine teuren Aufbauten“, sagt Weyl. „Das sagt jeder, mit dem ich spreche, sogar im Bezirksamt.“ Er will keine Billigspielplätze, sondern plädiert für Geräte mit pädagogischen Ansätzen, „aber die sollen nicht gleich in die Millionen gehen“.

Es gehe letztlich um sichere Freiräume für Kinder, die man pragmatisch im Rahmen der bezirklichen Mittel gestalten könne. „Wir haben Pädagogen und Integrationserzieher, die derzeit ein solches Konzept erarbeiten.“ Das Bezirksamt zeige sich dafür sehr offen, das Konzept soll dann nach Weyls Vorstellung pankowweit diskutiert werden, auch Anwohner anderer Kieze sollen sich gern als Mitglieder oder Ideengeber an den Verein wenden. „Wir wollen da auch mit der Initiative in Weißensee zusammenarbeiten und sie für die Konzeptionsarbeit gewinnen.“

Die Weißenseer Elterninitiative „Ja! Spielplatz!!“ hat bereits Sponsoren gewinnen können. Auch dort arbeitet man mit dem Bezirksamt derzeit an einem Fahrplan, wie vor allem die sechseinhalb gesperrten Spielplätze rund um die Berliner Allee interimsmäßig schnell wiedereröffnet werden können. Als erstes Projekt wird mit dem Bezirksamt eine Neugestaltung am Solonplatz mit der Hilfe von Anwohnern und Sponsoren erörtert.

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