Kiezgespräch

Veröffentlicht am 28.06.2018 von Christian Hönicke

Verkauft – Mieter rufen Bezirk um Hilfe an. Die Bewohner der Gleimstraße 56 in Prenzlauer Berg kämpfen gegen die Verdrängung. Ihr Haus ist soeben verkauft worden, nun rechnen sie mit steigenden Mieten – und fordern den Bezirk Pankow deswegen auf, von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. „Ja, wir prüfen“, sagt Bezirksbaustadtrat Vollrad Kuhn (B’90/Grüne). „Das haben wir den MieterInnen im letzten BVV-Ausschuss auch zugesagt, sie waren bereits im April bei uns.“ Der Bezirk Pankow will nun prüfen, ob die Ziele des Milieuschutzes auch nach dem Verkauf eingehalten werden oder er das „kommunale Vorkaufsrecht“ geltend macht.

Die Hausgemeinschaft Gleimstraße 56 besteht nach eigenen Angaben aus Altmietern, die seit 1952 im Haus wohnen, Künstlern, Handwerkern und Familien. Laut der Bewohner müsse man „bei einem geschätzten Preis von ca. 8 Mio. Euro davon ausgehen, dass es zu massiven Steigerungen der Mieten und Verdrängung vieler Mieter kommt“. Den Kaufpreis habe man „anhand vergleichbarer Immobilien nur schätzen können, da wir den Kaufvertrag noch nicht einsehen konnten“, so die Bewohnerin Antje Kaufmann. „Wir glauben, dass dies eine konservative Schätzung ist.“

Laut den Mietern gehörte das Haus bisher der Berliner Firma „Werz & Werz Immobilien“, über den Käufer wüssten sie lediglich, dass er in der vergangenen Woche einen Antrag auf Negativbescheid eingereicht hat – also darauf, dass der Bezirk auf sein Vorkaufsrecht verzichtet. Da der Kauf kurz vor der Sommerpause abgeschlossen wurde, befürchten die Mieter, dass die Bezirkspolitiker sich wegen der anstehenden Ferien nur kurz und oberflächlich mit der Prüfung des Vorkaufsrechtes beschäftigen. Mit der Einladung diverser Bezirkspolitiker zu einem öffentlichen Hausbesuch am Donnerstag wollte man nun auf die Dringlichkeit hinweisen, so Lothar Gröschel vom Verein „Gleim 56“.

Der Bezirk macht den Bewohnern Hoffnung. Man habe zwei Monate ab dem Zugang des Kaufvertrag Zeit zur Prüfung, sagt Bezirksstadtrat Kuhn: „Der Vertrag ist zwar noch nicht eingetroffen, aber das Haus scheint sich für die Ausübung des Vorkaufsrecht zu eignen.“ Die Erstellung eines Wertgutachtens und andere Maßnahmen seien bereits auf den Weg gebracht worden. Bisher hat der Bezirk Pankow das Vorkaufsrecht erst einmal genutzt, beim Haus Belforter Straße 16.

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