Kiezgespräch

Veröffentlicht am 11.10.2018 von Christian Hönicke

Star-Platz-Anwohnerin: Jugendliche „rücksichtslos“. Die Debatte um die Jugendlichen vom Star-Platz geht weiter. Vor kurzem hatten wir mit dem 17-jährigen Johann gesprochen. Er beklagte sich darüber, dass es im Helmholtzkiez in Prenzlauer Berg keinen Ort für Jugendliche gibt. In Ermangelung eines geeigneten Clubs träfen sich die Jugendlichen auf dem Star-Platz, wo sie aber immer wieder von Nachbarn angezeigt würden. Nun meldete sich dazu Anna M., die ihren richtigen Namen lieber nicht nennen möchte:

„Ich bin direkte Anwohnerin des Star-Platzes. Es gibt kein strukturelles Problem im Kiez, was Jugendclubs angeht. Es ist allein diese Gruppe, die sich asozial verhält – das Ganze fing nämlich erst vor etwa zwei Jahren an. Zuvor haben Jugendliche (…) keineswegs jeden Abend auf dem Star-Platz gesoffen und gelärmt. Es wird auf dem Star-Platz auch nicht Pingpong, sondern stundenlang Bierball gespielt – ein Spiel, bei dem es nur ums Saufen geht. Es wird auch nicht ,ein bisschen Musik‘ gespielt, sondern stundenlang extrem laute aus Bluetoothlautsprechern.

Alle diese Jugendlichen haben auch offensichtlich so viel Geld, dass sie dabei jeden (!) Abend Alkohol, Zigaretten und Marihuana konsumieren können. An Freitagen während der Schulzeit geht es oft gegen 14 Uhr los und kann dann bis 1 Uhr morgens gehen, in der Ferienzeit auch gern mal bis 2 oder 3 Uhr. Keiner von uns versteht, wieso diesen offenkundig nicht gerade armen Gymnasiasten (…) anscheinend überhaupt nichts anderes einfällt. Insofern möchte man auf Johanns Frage ,Wo sollen wir denn hin?‘ antworten: ,Wie wär’s denn mal mit zwei, drei Abenden pro Woche zu Hause?‘ Was sagen eigentlich die Eltern dazu, dass ihre Söhne und Töchter wirklich jeden Abend bis spät abends draußen sind und Alkohol trinken?

Die Jugendlichen wissen genau, dass sie viel zu laut sind. Ganz zu schweigen davon, dass sie den Platz regelmäßig mit Abfall und Glasscherben vermüllen. Es ist ihnen einfach nur, auf gut deutsch, scheißegal. Mir würde es völlig reichen, wenn einfach ab zehn Schluss wäre und vorher wenigstens die Musik nicht ganz aufgedreht würde. Was einen als Anwohner so wütend macht, ist, dass nicht das geringste Anzeichen von Rücksichtnahme zu erkennen ist. Spricht man die Gruppe wegen des Lärms an, kommt regelmäßig die unverschämte Aufforderung ,Dann ruf doch die Bullen.‘ Kommt dann eine Streife, geben sich die Jugendlichen kooperativ. Sind die Beamten fort, werden Bierball und Lärm ungerührt fortgesetzt und es wird sich laut über die Polizei lustig gemacht.“

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