Kiezgespräch

Veröffentlicht am 13.12.2018 von Christian Hönicke

„Berliner Parks sind nicht sehr gepflegt.“ Er ist einer der renommiertesten Stadtplaner Europas: Martin Aarts war jahrelang Chef der Stadtentwicklung in Rotterdam und trieb die Wandlung der schmuddeligen Hafenstadt zur Metropole von Weltrang voran. Im Tagesspiegel-Interview forderte er vor kurzem dringend eine stadtplanerische Vision für Berlin und warnte die Stadt andernfalls vor dem Abstieg.

Seit September lebt Aarts am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Wir veröffentlichen an dieser Stelle seine Beobachtungen und Analysen. Diese Woche: Parks und Grünflächen.

Das Wort ’schick‘ hat in Berlin eine negative Bedeutung. Das habe ich schnell gelernt. Wenn man nur den Begriff ‚Architektur‘ im Wohnungsbau erwähnt, kommt gleich: ‚Ja, aber dann wird es so schick.‘ Bei uns in Holland ist schick immer gut, und gute Architektur auch. In Berlin ist das anders. Man ist nicht böse, wenn Architektur schlecht ist – man ist böse, wenn sie gut ist. Dann ist es schick, und schick ist immer schlecht.

Das ist wohl auch bei Parks so. Ich gehe oft im Humboldthain laufen, ich mag auch den Friedrichshain. Diese Parks sind prinzipiell toll und riesig, man hat dort viel Platz. Ich bin schon froh, dass man hier so zentral im Grünen laufen kann. Aber ich habe auch bemerkt, dass die Parks und Grünflächen in Berlin ziemlich abgenutzt sind. Und auch nicht sehr gepflegt. Häufig sind die Bänke kaputt. Wenn ich eine intakte Bank sehe, denke ich sofort: Oh, super, die ist mal ganz!

Aber ich glaube, die Berliner lieben das. Zumindest die Berliner Politik. Immer, wenn ich das angesprochen habe, hieß es: ‚Ja, aber wenn es schlecht aussieht, ist es gut. Dann wird nicht so schnell gentrifiziert.‘ Man ist hier so ängstlich wegen der Gentrifizierung. Man hofft, wenn alles ein bisschen schlicht und einfach ist, und alles nicht so offiziell, dann kommen die Investoren nicht. Ich glaube davon kein Wort, das ist Blödsinn. Aber diese Mentalität bemerke ich auch in den Verwaltungen: ‚Das brauchen wir nicht, das finden die Leute toll, so wie es ist. Das ist auch ein Abenteuer für Kinder, dass es nicht so schick ist.‘

Ich sehe das anders. Man braucht zumindest eine Strategie für die Pflege dieser Grünflächen. Es braucht ja nicht so schick zu sein, wenn man das nicht will. Aber es muss heile sein. Wenn es kaputt aussieht, wird es immer schlimmer. Das verleitet auch die Bewohner dazu, sich nicht um ihre Umgebung zu kümmern.“

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