Kiezgespräch

Veröffentlicht am 03.01.2019 von Christian Hönicke

„Die ‚Berliner Luft‘ ist schlecht – die Innenstadt braucht mehr Grün.“ Er ist einer der renommiertesten Stadtplaner Europas: Martin Aarts war jahrelang Chef der Stadtentwicklung in Rotterdam und trieb die Wandlung der schmuddeligen Hafenstadt zur Metropole von Weltrang voran. Im Tagesspiegel-Interview forderte er vor kurzem dringend eine stadtplanerische Vision für Berlin und warnte die Stadt andernfalls vor dem Abstieg.

Seit September lebt Aarts am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Wir veröffentlichen an dieser Stelle seine Beobachtungen und Analysen. Diese Woche: Berliner Luft und Berliner Grün.

„Ich kannte die ‚Berliner Luft‘, diese Romantik. Aber wenn man länger hier wohnt, merkt man erst einmal, wie schlecht die Luft in Berlin eigentlich ist. Ich komme aus Rotterdam, einer Hafenstadt, die bekannt für schlechte Luft ist. Aber hier in Berlin merkt man das im Sommer, wenn wenig Wind ist, ist die Luft schrecklich. Das ist bedauernswert.

Ich denke, das liegt daran, dass es zu viele Autos und zu wenig Grün gibt. Berlin sieht sich ja als grüne Stadt, aber das sehe ich in der Innenstadt nicht so. All diese Steine und Beton! Nicht nur in meinem Viertel am Helmholtzplatz, auf den ganzen Alleen und Straßen gibt es viel zu viel Stein. Das war auch in holländischen Städten üblich, alles war aus Beton und Stein, da kann man doch so schön gehen, fahren, alles machen. Inzwischen hat man dort erkannt, dass es auch anders geht.

Man braucht mehr Grün in der Stadt, da muss man umbauen, gerade wenn es in Zukunft noch wärmer wird, das ist auch ökologisch sehr wichtig. Wir haben das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet, damit muss man jetzt anfangen. Aber in Berlin macht man nur ganz kleine Schritte und eigentlich nichts. Dabei hat Berlin so breite Straßen, und diese Riesenräume könnte man anders nutzen.

Ein Freund von mir ist Stadtplaner in Amsterdam und der meinte letztens bei einem Besuch in Berlin: Wenn ich so viel Raum hätte, wären alle meine Probleme gelöst. Gerade aus den Gründerzeitvierteln kann man so viel machen, der Platz ist da. Auf ganz normalen Straßen wie im Helmholtzviertel kann man zum Beispiel einen Grünstreifen am Rand anlegen, dort könnten dann auch Kinder draußen spielen. Man muss sich nur trauen.“

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