Kiezgespräch

Veröffentlicht am 01.08.2019 von Christian Hönicke

Wegen Müll: Amt will Naturschutzgebiete abriegeln. Pankows Umwelt- und Naturschutzamt fordert, die Pankower Naturschutzgebiete konsequent abzuriegeln. Denn der Schutz sei dort aktuell „nicht mehr geboten“, weil viele Schranken aufgebrochen seien. Das sagt der Bezirksumweltstadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD). Naturschützer und Anwohner beklagen insbesondere immer wieder illegale Müllabladungen im großen Landschaftsschutzgebiet (LSG) Blankenfelde. Die Müllhaufen lässt der Bezirk regelmäßig abtransportieren.

Wäre es nicht sinnvoller, endlich wieder alle Zufahrtswege zu versperren? Das fordert der Naturschützer Jürgen Erdmann. Auch vergangenes Wochenende entdeckte er dort jede Menge Müll, darunter „Bauschutt, giftiges Isolierungsmaterial, Abfall“. Krüger stimmt zu: Ein offenes Schutzgebiet könne man vielleicht in der Uckermark haben, aber in einer Millionenmetropole müsse man die Zufahrten verschließen: „Es hat sich leider manifestiert, dass viele Schranken offen sind. Damit ist kein Schutz mehr für das Schutzgebiet geboten.“  Deswegen hat Krüger nun beim zuständigen Straßen- und Grünflächenamt (SGA) beantragt, die Schranken wieder zu verschließen.

Das leidige Problem ist im SGA gut bekannt. Es geht nicht nur um das LSG Blankenfelde, sondern auch um die Naturschutzgebiete Buch, Idehorst und Karower Teiche. Insgesamt dürften laut Schätzung des SGA knapp 15 Schranken (also rund die Hälfte) aufgebrochen sein.

Doch eine Lösung des Problems sei schwierig, teilt der zuständige Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (B‘90/Grüne) mit. Man habe in der Vergangenheit „großen Aufwand und hohe Kosten gehabt, um die Schäden zu beseitigen“. Die Schranken würden immer wieder „offenbar mit krimineller Energie und wohl auch unter Einwirkung von roher Gewalt bis hin zum Einsatz von Kfz“ aufgebrochen, so Kuhn. Letzte Woche hatten wir darüber berichtet, wie die Pankower Politik sich geschlossen gegen eine Bebauung der Schutzgebiete wehrt und deren Wichtigkeit betont. Aber hat man davor kapituliert, die Natur vor Wilderern zu schützen?

Nein, stellt Kuhn klar. Ziel des SGA sei es, demnächst alle Schranken mit einem einheitlichen Schließsystem auszustatten. Auch die teilweise demolierten oder abgebauten Verbotsschilder an den Zufahrten sollen nachgerüstet werden. Einen genauen Termin für die Maßnahmen kann Kuhn allerdings noch nicht nennen. Und er gibt gleich mal zu bedenken: „Eine Möglichkeit, die Verriegelungen vor Vandalismus zu schützen, gibt es aber leider nicht.“ Krüger hat zumindest eine Idee: Man solle nach Anwohnern oder Ehrenamtlichen suchen, die sich regelmäßig um die Schranken kümmern.

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