Kiezgespräch

Veröffentlicht am 03.10.2019 von Christian Hönicke

Kahlschlag und Pfusch? Mieter kritisieren Gesobau-Sanierung. Gesobau-Mieter in Pankow sind von „unendlichen“ Sanierungsarbeiten genervt. Es geht um die Wohnanlage Kissingenstraße / Lauterbachstraße / Borkumstraße / Sellinstraße. Die Mieter dort beklagen Baupfusch, kalte Heizungen und eine Kahlschlagsanierung der einst grünen Innenhöfe. Zudem lägen seit Jahren Schuttberge im Innenhof – die Gesobau würde auf alle Beschwerden nicht reagieren. Das hört sich verdächtig nach der Praxis an, mit der auch die „Deutsche Wohnen“ immer wieder in Verbindung gebracht wird. Was ist da los?

Die Gesobau-Anlage stammt aus dem Jahr 1923 und steht unter Denkmalschutz. Seit 2017 wird sie saniert. Es gab neue Heizungen und Bäder und neue Stränge. Die Sanierung weiterer Bauteile wie etwa der Fassaden ist laut Gesobau geplant.

Doch die Art und Weise des Vorgehens sorgt bei den Mietern für Unmut. Wänden, Treppen und Handläufe etwa müssten wegen Pfuscherei immer wieder neu instandgesetzt werden. Die neuen Heizkörper würden im Winter maximal 18 Grad erreichen. Auch der Denkmalschutz werde untergraben. So sei eine Aufstockung des geschützten Ensembles um ein Dachgeschoss angedacht und werde schon von Statikern geprüft, berichtet eine Mieterin.

Die Gesobau weist die Vorwürfe zurück. Eine Aufstockung sei nicht geplant, erklärt Sprecherin Birte Jessen. Mängel würden nach Anzeige durch die Mieter „selbstverständlich behoben“. Die niedrigen Temperaturen der neuen Heizkörper seien jedoch vielmehr auf „Veränderungen des gewohnten Heizverhaltens“ zurückzuführen. Und die Baustandards würden von der Bauleitung regelmäßig kontrolliert und abgenommen.

Auch die Neugestaltung der Innenhöfe verteidigt Jessen. Mieter berichten, alle Sträucher und mittelhohen Bäume seien gerodet worden, einzig die alten Eckbäume wären stehen geblieben. „Dabei steht auch die Hofgestaltung unter Denkmalschutz“, ärgert sich ein Mieter. Von einer Gesobau-Mitarbeiterin sei ihm im Mai erklärt worden, die Fällungen seien aus Sparzwängen erfolgt – die Anlage müsse pflegeleicht sein. Die Innenhofgestaltung sei mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt und von dieser genehmigt worden, kontert Gesobau-Sprecherin Jessen. Sie sagt, die Fällungen seien „notwendig“ gewesen, ohne die Gründe zu benennen. Und verspricht, dass ab Mitte Oktober immerhin sechs Ersatzbäume und Sträucher gepflanzt werden.

Für den Berg mit Bauresten, der zum Ärger der Anwohner seit nunmehr fast drei Jahren im Hof gelagert wird, hat Jessen ebenfalls eine Erklärung. „Es handelt sich um Mosaiksteine, die bei der Hofsanierung erhalten werden konnten und nun wiederverwendet werden.“ Lediglich Probleme bei der Gartenpflege und Hausreinigung, die laut Mietern seit Jahren mangelhaft sind, räumt die Gesobau ein. „Wenn Beanstandungen festgestellt werden, wird die entsprechende Firma zur Nachbesseung aufgefordert“, so Jessen. „Bei der Grünpflege zum Beispiel wurde die Rechnung für den August um 100 Prozent gekürzt.“

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