Kiezgespräch

Veröffentlicht am 09.01.2020 von Christian Hönicke

Verdrängungsangst: Mieter wollen Haus selbst kaufen. Der nächste Fall von Verdrängung in Berlin-Prenzlauer Berg droht in der Stargarder Straße 65/Lychener Straße 67. Das Haus soll verkauft werden. „Das teilte uns die Hausverwaltung Mitte August mit“, sagt ein Vertreter der Mieter. „Wir sind eine sehr bunte Mietergemeinschaft, die teilweise seit den 1980er Jahren hier lebt und auch weiterhin hier in diesem Haus bleiben will.“

Deshalb wollen die Bewohner ihr Haus selbst kaufen. Neben den üblichen Ansätzen (Anschreiben an Lokalpolitiker/Bitte an Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn, das Vorkaufsrecht zu ziehen/öffentlicher Auftritt in der BVV) haben sie Ende Dezember eine eigene Mieter-Genossenschaft gegründet: die „Berlin für Alle eG i.G.“ Man habe den bisherigen Eigentümer um ein persönliches Gespräch gebeten – „mit dem Ziel, ihm vom Kauf des Hauses durch eine eigene Mieter-Genossenschaft zu überzeugen“.

Die Idee sei anfangs auf keinerlei Resonanz gestoßen. „Er hat uns schlicht und ergreifend nicht ernstgenommen und uns geraten, uns doch ‚ein kleines Objekt‘ zu suchen, wenn wir schon eine Immobilie kaufen wollen.“

Doch die Mieter wollen nicht irgendein Haus, sondern ihr Haus kaufen. Zwar wissen die Bewohner, dass es allein unmöglich werden dürfte, die horrenden Immobilienpreise von durchschnittlich 6000 Euro pro Quadratmeter in dieser Lage zu bedienen. „Als Genossenschaft haben wir aber zumindest eine Chance, an Stiftungen und Banken mit unserem Vorhaben heranzutreten“, sagt der Vertreter der Genossenschaft. Derzeit versuche man, „eine realistische Finanzierung auf die Beine zu stellen, um unser Haus dem Spekulationsmarkt langfristig zu entziehen“.

Einen ersten Etappensieg haben die Bewohner bereits errungen. Da der Eigentümer aufgrund der aktuellen politischen Lage rund um die Mietendeckeldiskussion bisher keinen Investor gefunden hat, sei er mittlerweile auch zu Gesprächen mit der Mietergemeinschaft bereit. – Text: Christian Hönicke 

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