Kiezgespräch

Veröffentlicht am 20.05.2020 von Christian Hönicke

Wo sind die Osteuropäer hin? Das fragt sich Bernd Backhaus. Er ist der Leiter der Suppenküche des Franziskanerklosters in der Wollankstraße. Nach der vorübergehenden Corona-Schließung bietet die Suppenküche bedürftigen Menschen nun wieder Essen an – seit vergangener Woche im Garten des Klosters. Die Atmosphäre habe jetzt etwas von „einem dauerhaften Sommerfest“, sagt Backhaus. Aber er macht sich auch Sorgen.

Herr Backhaus, für welche Gruppe war die temporäre Schließung der Süppenküche besonders schwer? Alle unsere Gäste sind in der aktuellen Situation besonders herausgefordert. Aber in den Wochen der Notversorgung sind unsere Gästegruppen aus den osteuropäischen Ländern – Polen, Letten und ähnliche – gar nicht mehr erschienen. Ich frage mich, ob sie überhaupt noch im Lande sind oder vielleicht doch in ihre Heimat zurückgegangen, damit sie bei aller Herausforderung der Situation wenigstens sprachlich verstehen, worum es bei diesem Coronazeugs überhaupt geht.

Warum war es so schwer, eine Ausnahmegenehmigung zur Öffnung der Suppenküche zu erwirken? Nicht nur für uns Bürger, sondern auch für die Verwaltung ist die Situation eine echte Herausforderung mit vielen Unbekannten. Und natürlich möchte sich niemand mit falschen Entscheidungen für eine heikle Fragestellung hervortun. Für uns war klar: Wir können nicht einfach mit einer neuen Ausgabesituation beginnen und riskieren, dass jemand plötzlich vor der Tür steht und erklärt: Das geht so gar nicht! Dann hätten wir für unsere Gäste mehr verloren als gewonnen.

Wie hat es schließlich geklappt? Unser Bezirksbürgermeister hatte ganz zu Beginn der Pandemie an uns und die Tafeln des Bezirks geschrieben und sich erkundigt, ob wir Hilfe benötigen. Nachdem wir uns unseren Weg ergebnislos durch ein paar Ämter gesucht hatten, haben wir uns darauf bezogen und um konkrete Unterstützung für unser Konzept der Versorgung im Klostergarten gebeten.

Und hatten damit Erfolg? Ja. Wir wurden Anfang der vorletzten Woche Thema im Corona-Krisenstab und von dort in die zuständigen Ämter gelotst, die uns dann noch vor dem langen Wochenende grünes Licht für unseren Plan gewährten. Wir werden nun nicht als Gaststätte bewertet, sondern als systemrelevanter Teil der Grundversorgung – was absolut zutreffend ist.

Wie läuft die Essensausgabe im Garten? Idyllisch. Der Klostergarten ist ohnehin ein Fleckchen Erde mit einer ganz schönen Atmosphäre. Mit den Zelten, den Bierzeltgarnituren und der Ausgabe hat das jetzt etwas von einem dauerhaften Sommerfest. Besonders schön, dass gerade unsere Gäste so etwas in diesem Jahr geboten bekommen. Es spricht sich herum, dass wir wieder mit gutem, warmem Essen am Start sind. Jeden Tag kommen jetzt gut zehn Gäste mehr als am Vortag. Auch Herr Benn wird sich am Mittwoch dieser Woche zu Mittag persönlich davon überzeugen, ob es den Gästen gefällt und welche Stimmung dort herrscht.

Warum müssen Hygienestation und die Kleiderkammer weiterhin geschlossen bleiben? Die ganze Zeit war es möglich, zumindest bei großer Not eine saubere Hose, Hygieneartikel oder andere Dinge zu bekommen. Aber wir müssen natürlich dafür sorgen, dass auch wir virenfrei bleiben und können unsere Arbeit nicht mit allen Angeboten einfach wieder eröffnen. Der nächste Schritt ist nun, verantwortbar zu entscheiden, wie wir nach und nach auch die anderen Angebote wieder ans Laufen bekommen. Seit Dienstag funktioniert zumindest die Sozialberatung wieder. – Text: Christian Hönicke

+++ Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de

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