Kiezgespräch

Veröffentlicht am 23.07.2020 von David Joram

Sie gehören zu Berlin wie Fernsehturm, Berghain und Schrippe: die Spätis. Einer davon ist der kleine Laden von Özgür und Züleyha Simsek in der Raumerstraße 6, direkt am Helmholtzplatz. Doch spätestens zum Jahresende versiegt diese zuverlässige Kiezquelle für gewisse Waren des täglichen Bedarfs. Der Mietvertrag für den Laden laufe zum 31.12. aus, möglicherweise ende er sogar schon früher, schreibt Anwohnerin Felicitas Fröbel in einer E-Mail an den Pankower „Leute“-Newsletter. Sie und weitere Nachbarn wollen nun, dass der Späti bleibt.

Allesamt haben sie nicht nur eine Online-Petition gestartet, sondern veranstalten Mitte August eine große Aktion für das Lädchen, den sie gar als „Begegnungsort für aktive Nachbarschaftspartizipation und interkulturellen Austausch bezeichnen“. Dabei sind die Anwohner durchaus realistisch, was die Beurteilung seiner Zukunft angeht: „Es ist uns klar, dass es am aktuellen Standort keine Zukunft für den Späti gibt, jedoch möchten wir gemeinschaftlich einen neuen Standort finden und ein Zeichen setzen, sinnbildlich für die Erhaltung eines bunten und belebten Kiezes und gegen Verdrängung.“ Mit jedem Schritt, den diese Verdrängung voranschreitet, werde dem Helmi-Kiez ein weiteres Stück Leben entrissen.

Am 15. August von 14 bis 20 Uhr steigt ein Straßenfest samt Kundgebung am Helmholtzplatz in der Lychener Straße. Mit dabei sind Musiker und Künstler aus dem Kiez. Plakate und Flyer haben die Anwohner für den Späti auch schon gestaltet und sogar Transparente aufgehängt. Allerdings seien die von der Polizei wieder entfernt worden, schreibt Felicitas Fröbel. Soviel Ordnung muss dann schon sein. – Text: Björn Seeling

+++ Dies ist ein Text aus dem Tagesspiegel-„Leute“-Newsletter für Pankow. Weitere Themen dieser Ausgabe:

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