Kiezgespräch

Veröffentlicht am 13.08.2020 von Christian Hönicke

Schloss Schönhausen: Kritik an Parkläufer-Einsatz. Parkdebatte am Anfang, Parkdebatte am Ende: Unsere Meldung über das Sitz- und Liegeverbot im inneren Schlosspark Schönhausen hat ebenfalls Reaktionen gezeitigt. Dort werden Erholungssuchende seit Neuestem durch sogenannte „Parkläufer“ von der Wiese hinter dem Schloss vertrieben.

Die Parkläufer werden seit einiger Zeit vom Bezirksamt eingesetzt – eigentlich, um besonders konfliktträchtige Grünanlagen im Bezirk zu befrieden. Derzeit sind sie nach Angaben des Grünflächenamts in vier Parks unterwegs, darunter Mauer- und eben Schlosspark. Im äußeren Schlosspark nehmen Nutzungskonflikte in der Tat zu – dagegen verwundert es, dass die Parkläufer auch die vermutlich lauschigste Wiese Pankows mit den wenigsten Konflikten im abgetrennten inneren Schlosspark in den Fokus nehmen. Hintergrund ist offenbar eine derartige Vereinbarung des Grünflächenamts mit der Stiftung Preußische Gärten und Schlösser (SPSG), die den inneren Schlosspark verwaltet.

„Die wenigen Parkläufer des Bezirks sollten dort eingesetzt werden, wo es intensive Nutzungskonflikte zwischen Mensch und Stadtnatur gibt“, kritisiert der Grünen-Politiker Axel Lüssow, der im BVV-Ausschuss Umwelt und Natur sitzt. Das sei etwa bei freilaufenden Hunden der Fall oder wenn gegrillt wird und Müll liegenbleibt. „Im inneren Schlosspark aber sitzen Menschen einfach auf der Wiese“, so Lüssow. „Es gibt genügend Orte in Pankow, an denen wir die Parkläufer dringender brauchen als für die Kontrolle der Parkordnung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.“

Gerade in Zeiten von Corona solle der Bezirk seine Ressourcen nicht darauf verwenden, Menschen zu vertreiben, die mit Abstand zu anderen an einem ruhigen Plätzchen ihren überhitzten Wohnungen entfliehen wollen, fordert Lüssow: „Wenn die Kontrollen der Parkläufer als falsch oder überzogen wahrgenommen werden, nimmt ihr Ansehen Schaden.“

Anders sieht man das in der FDP. Der Abgeordente Alexander Wieberneit findet, dass der Schlosspark generell „zunehmend verkommt und vermüllt“. Auch das seit 2013 bestehende Sitz- und Liegeverbot im inneren Schlosspark werde durch vom Bezirk aber weiter „nur halbherzig“ durchgesetzt. Den Einsatz der Parkläufer dort hält er für „überflüssig. Zumal ich diese Aufgabe schon allein kritisch sehe, da sie einzig das Verscheuchen einiger weniger erfüllt, statt auch weitere Belange im Interesse des Erhalts zu beachten.“

Ebenso wichtig sei die Instandhaltung der bestehenden Anlagen, so Wieberneit, „um die Attraktivität des Standorts, an dem auch Hochzeiten gefeiert werden können, zu sichern. Doch wer hat schon Lust auf Hochzeitsfotos neben Müll und sonstigem Unrat oder vor einem völlig verdreckten Brunnen?“

Also ruft Wieberneit Bürgerinnen und Bürger zum Putzen des Brunnens hinter dem Schloss auf – am Dienstag (18. August) um 10 Uhr. Dann will er auch selbst „zu Besen und Schaufel greifen“. Das klingt löblich und dürfte auch die SPSG als Brunnenverwalterin freuen. Aber allen Putzwilligen sei noch einmal die Parkordnung in Erinnerung gerufen: Wer sich in der Pause oder nach getaner Arbeit auf die angrenzende Wiese setzt, kriegt Ärger mit den Parkläufern. Also am besten einmal Brunnen-Kurzwaschprogramm – und dann bitte unverzüglich weitergehen. – Text: Christian Hönicke

+++ Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de

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