Kiezgespräch

Veröffentlicht am 01.04.2021 von Constanze Nauhaus

Zwar fliegt nun nicht ganz Pankow in die Luft, aber immerhin doch ein Teil, der einen anderen Teil massiv nervt. „Fluglärm“ wird vermutlich zum Pankower Wort des Monats gewählt, und das in Zeiten von Pandemie, Flugscham und Tegel-Schließungen. Knatternde Motoren von Cessna und Konsorten bringen wie berichtet so manchen Pankower auf seinen Vorgartenbaum. Doch wer eine Fluglizenz hat, darf sich seit der Schließung Tegels im nördlichen Berliner Luftraum frei bewegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung bereits meinem Kollegen Christian Hönicke.

Während der Senat dieses muntere Fluggeschehen „beobachtet“ und sich gegebenenfalls beim Bund beschweren will, melden sich nun auch andere Stimmen zu Wort. „Ich plädiere dafür, die Erregungskurve wieder etwas abzuflachen“, schreibt ein Hobbypilot, der anonym bleiben will, und resümiert: „Vor der Schließung von Tegel: alle 30 Sekunden ein Düsenjet im Landeanflug; seit der Schließung von Tegel: alle 20 bis 30 Minuten ein Kleinflugzeug, bei manchen Wetterlagen zu manchen Tageszeiten am Wochenende.“ Er bezweifele, dass die Lärmbelästigung auch nur annähernd vergleichbar sei. „Vor der BER-Eröffnung flogen die Cessnas allerdings jahrzehntelang über dem Süden von Berlin – ohne Beschwerden, soweit ich weiß.“ Wenn Verbot, schlägt er vor, dann auch gleich für Motorboote und Motorräder, Autos, LKW, quietschende Straßenbahn, Fußballspiele und Live-Konzerte.

„Ich bin ehrlich gesagt fassungslos“, schreibt Michael Nitzel. „Da wird von einigen Leuten eine Debatte losgetreten, die offensichtlich nicht begreifen, dass wir in einer Stadt leben.“ Er wohne selbst in Pankow, und von Fluglärm könne ja wohl keine Rede sein. „Die Kleinflugzeuge, die sich hier über der Stadt bewegen, sind im Laufe einer Woche an zwei Händen abzuzählen. Das ist eine typische deutsche Neiddebatte und ich finde es eigentlich nur traurig.“

Auch in Wilhelmsruh wundert man sich. „Man hatte vor allem bei Ostwind das Gefühl, die Flugzeuge fliegen durch das Schlafzimmer“, erinnert sich Lothar Maitas an Tegel-Zeiten. Kleinflugzeuge seien der Inbegriff von Freiheit, nach der „wir uns alle in dieser Zeit besonders sehnen“. Er findet: „Nun soll man aber doch nicht so tun als ob man, nach der Schließung von Tegel, von heute auf morgen plötzlich und unverhofft auf dem Mittelstreifen einer Autobahn wohnt.“

+++ Das ist ein Ausschnitt aus dem Pankow-Newsletter des Tagesspiegels. Jeden Donnerstag kostenlos: leute.tagesspiegel.de

+++ Die Themen der Woche:

  • „R.I.P. an den liebevollen Schreihalz“: Kiezlegende Steve ist gestorben
  • Bei Euch hupt’s wohl: Streit um laute Züge im Arnimviertel
  • Test, Test, Test: Mitten in der 3. Welle schließt das Wilhelmsruher Testzentrum
  • Hakenkreuze und Drohungen: Rassistische Übergriffe in Niederschönhausen
  • „Versteckte Kamera“: Anwohner des Thälmannparks werfen Bezirk „Privatinvestorenmentalität“ vor
  • Fliegt Pankow in die Luft? Jetzt spricht ein Hobbyflieger