Kiezgespräch
Veröffentlicht am 15.06.2023 von Christian Hönicke
Auslaufgebiet als „Todesfalle“? Halter sorgen sich um ihre Hunde im Mauerpark – und üben scharfe Kritik am Bezirksamt. Hunde im Park – ein Dauerkonflikt. Oft fühlen sich dabei Menschen durch die frei herumlaufenden Tiere oder deren Hinterlassenschaften gestört oder gar bedroht – diesmal ist es andersherum.
Als „Nebeneffekt“ des Drogenhandels im Mauerpark würden Hunde im dortigen Auslaufgebiet täglich in Lebensgefahr geraten, berichtet die Anwohnerin und Schriftstellerin Tanja Dückers. „Es landen wöchentlich Hunde, die Drogen oder Kot von drogenkonsumierenden Menschen aufgenommen haben, in den an den Mauerpark angrenzenden Tierarztpraxen. Nicht alle überleben.“
Demnach gebe es in den „Dog-Talk“-WhatsApp-Gruppen entsprechende Berichte. Dort wird vor dem Hundeauslaufgebiet am Stadionhang regelrecht gewarnt. „Das sollte man um jeden Preis meiden“, schreibt etwa eine Hundehalterin. Das Auslaufgebiet sei „eine Todesfalle“ und „Tierschändung“ – es sei viel zu klein und zu schlecht gesichert.
Sie stört sich an den Büschen, in denen Menschen Drogen konsumieren oder ihr Geschäft verrichten, „und dann laufen die Hunde in die Büsche und essen das alles“. Dückers bestätigt dies. Sie habe Spritzen und Crack-Pfeifen gefunden und fotografiert: „Schneller als man gucken kann, hat ein Hund in den Büschen dann etwas im Maul.“
Vergangene Woche sei ihr Tier deshalb zum zweiten Mal innerhalb von sieben Monaten mit Drogen vergiftet worden, berichtet die Halterin weiter. Dadurch seien die Nieren des Hundes bereits „irreparabel geschädigt“. Ein Tierarzt in der Nähe des Mauerparks habe berichtet, dass „jede Woche“ Hunde wegen Drogenschäden aus dem Auslaufgebiet bei ihm auftauchen würden.
Die Halterin fordert den Bezirk nun zum Handeln auf. Das Auslaufgebiet müsse so hohe Zäune wie das auf dem Tempelhofer Feld haben, damit niemand darüber klettern könne. Zudem brauche es große, sichtbare Schilder, schreibt sie. „Wenn wir in diesem Land Geld haben, damit das Ordnungsamt jeden Tag die Leinenpflicht kontrolliert, sollte es auch Geld für ein sicheres Auslaufgebiet geben.“
Der Bezirk räumt das Problem ein – sieht sich aber machtlos dagegen. „Das Hundeauslaufgebiet am Mauerpark ist durch die Problematik des Drogenkonsums und den daraus folgenden Hinterlassenschaften betroffen“, sagt die zuständige Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) auf Tagesspiegel-Nachfrage. Man habe „ein großes Interesse“ an einer gefahrenfreien Fläche für Mensch und Tier. „Jedoch kann weder das Ordnungsamt Pankow noch die Polizei den Drogenkonsum dauerhaft kontrollieren und verhindern.“
Zuständig für die Reinigung des Mauerparks und auch des Hundeauslaufgebiets ist nach Angaben der Stadträtin die landeseigene Grün Berlin GmbH. „Sie wurde bereits von uns informiert“, so Anders-Granitzki. Dennoch bleibt auch ihr derzeit nichts anderes übrig, als sich den warnenden Worten vor den Gefahren des Auslaufgebiets anzuschließen: „Ich appelliere an alle Hundebesitzer, momentan besonders aufmerksam zu sein.“