Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.11.2017 von Ulrike Scheffer

Ricarda Klein, 36, malt und zeichnet, seit sie einen Stift halten kann. Ab morgen, Freitag 17. November, zeigt Galeriekunstkreuz in der Heynstraße ihren Pankower Bilderzyklus „Berliner Nordlichter“. Die Ausstellung läuft bis Ende Januar 2018. Ricarda Klein wohnt selbst in Steglitz.

Was fasziniert sie an Pankow? Ich suche gern nach den verlassenen Ecken in der Stadt, nach dem morbiden Charme Berlins. Der ist hier an vielen Stellen zu finden. Gleich zwei Bilder der Ausstellung zeigen zum Beispiel das verfallene Kulturhaus Peter Edel in Weißensee.

Und wie setzen Sie Ihre Entdeckungen ins Bild? Ich versuche, das sinnliche Zusammenspiel von Farbe, Licht und Schatten einzufangen, das wir in unserer scheinbar vertrauten Umwelt oft gar nicht mehr wahrnehmen. Wie oft schauen wir aufs Handys statt uns an den blauen Schatten zu freuen, die die Platanen im Juli auf den Asphalt werfen? Meine Bilder sollen eine Insel des Hier und Jetzt sein.

Was sind ihre Lieblingsorte in unserem Bezirk? Das sind eindeutig zwei sehr gegensätzliche Orte. Da ist zum einen der jüdische Friedhof in Weißensee, ein stilles Juwel mit einer riesigen Parklandschaft, das man in Berlin nicht vermuten würde. Mir gefällt aber auch die immer laute und volle Kreuzung rund um den U-Bahnhof Eberswalder Straße.

In Steglitz ist es sicher nicht so spannend, oder? Auch, wenn das jetzt überraschend klingt: Ich finde, Berlin ist überall ähnlich – ein bisschen schnoddrig und verkommen, ein paar Straßenzüge weiter wieder kiezig und aufgehübscht, wie die Florastraße. Berlin ist grundsätzlich sehr heterogen. Wahrscheinlich gilt für Steglitz wie für Pankow: Man muss es mögen.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-u.scheffer@tagesspiegel.de

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