Nachbarschaft

Veröffentlicht am 26.07.2018 von Christian Tretbar

Rainer Gehrmann, 59, ist Eventmanager. Er organisiert seit 10 Jahren unter anderem „Jazz im Park“ im Bürgerpark und ist seit 1. Mai zusammen mit seinem Geschäftspartner Moritz Fleck Betreiber des Café und Restaurant Rosengarten. Mehr zum Cafe und Restaurant Rosengarten finden Sie unter rosengarten-pankow.de.

Herr Gehrmann, Sie betreiben zusammen mit ihrem Geschäftspartner Moritz Fleck seit Mai das Cafe und Restaurant Rosengarten im Bürgerpark. Zu Beginn wurde Ihnen vorgeworfen, dass die Vergabe nicht mit rechten Dingen von statten gegangen sei, weil Ihnen Informationen von Stadtrat Kühne zugespielt worden seien, den Sie über ihre gemeinsame Mitgliedschaft im „Verein für Pankow e.V.“ kennen. Was ist dran an den Vorwürfen?

Nichts. Die Vergabe war absolut sauber. Seit 10 Jahren bin ich der Veranstalter von „Jazz im Park“ im Bürgerpark und bin auch sonst im Eventbereich in Pankow und ganz Berlin aktiv. Der Pachtvertrag mit den bisherigen Betreibern lief aus und ich wurde gefragt, ob ich ein Konzept entwickeln könne. Das haben wir gerne gemacht. Unser Konzept war Anfang Dezember 2017 fertig – als erstes von allen Mitbewerbern, sodass ich überhaupt keine Infos bekommen konnte. Auch Stadtrat Kühne hat nichts an mich weiter gegeben, er war qua seines Amtes Bearbeiter der Vergabe, aber sonst nichts.

Wie lief die Vergabe dann genau ab?

Wir haben unser 38 Seiten langes Konzept eingereicht und andere Bewerber ihr Konzept ebenfalls. Am 30. Januar kamen die vier Stadträte sowie der Bezirksbürgermeister zusammen, um über die Konzepte zu entscheiden. Es wurde abgestimmt und unser Konzept hat 5:0 gewonnen. Parteiübergreifend also und sehr eindeutig.

Trotzdem gibt es von Besuchern des Parks auch Kritik, weil ihnen der Flair fehlt.

Das kann ich nicht bestätigen. Wir sind jetzt seit 1. Mai dabei und bekommen viele positive Rückmeldungen außerdem hat sich eine Menge verbessert, denn wir haben die Gastronomie und das ganze Gelände in einem ziemlich verwüsteten Zustand übernommen. Wir haben das Angebot an Speisen und Getränken ausgebaut, alles wird frisch zubereitet und das Angebot wird auch ständig erweitert. Wir haben Renovierungsmaßnahmen begonnen und haben jetzt jeden Tag von 10 – 22 Uhr geöffnet und nicht wie vorher, je nach Wetter. Wir haben die Strandkörbe erneuert. In den nächsten Tagen kommt neue Außenbeschriftung. Auch die Bestuhlung werden wir noch verändern. Es wird also noch eine Menge passieren.

Wie sieht denn Ihr Konzept insgesamt aus?

Wir orientieren uns an der 112 Jahre alten Geschichte des Parks. Bis in die 30 Jahre hinein gab es im Park eine umfangreiche und erfolgreiche Gastronomie und lebendige Kulturszene. Das wollen wir im Rahmen der heutigen Möglichkeiten wieder aufbauen. Neben dem Café und Restaurant gibt es beispielsweise ein Plateau, das derzeit im Dornröschenschlaf liegt und wo wir wieder Tanztee und Tango-Abende machen wollen. Der Musikpavillon ist zum Teil schon renoviert und wird im Rosengarten ab 2019 wieder bespielt. Es soll in Zukunft wieder mehr Konzerte, Lesungen, Theater und Kultur jeder Art geben – und zwar in der Regel ohne Eintritt.

Auch die Parkbibliothek wollen Sie wieder beleben. Was ist da genau geplant?

Die Parkbibliothek ist ein historisches Stück. Sie wurde 1955 als erste Parkbibliothek der DDR als Prototyp für andere Parks in der ganzen DDR gebaut und heute ist es die letzte, die übrig geblieben ist. Nur ist sie in einem erbärmlichen Zustand. Sie wurde als Müllkippe verwendet und wir restaurieren sie wieder mit Hilfe der Pankower Vereine unter Federführung des „Vereins für Pankow e.v.“ und ohne öffentliche Mittel. Dort wird es wieder Bücher- und Liegestuhlverleih geben.

Zuletzt gab es auch Berichte über steigende Kriminalität im Park. Können Sie das bestätigen?

Überhaupt nicht. Wir hatten ein paar Klein-Dealer, aber durch vermehrte Streifen der Polizei, auch durch unsere Präsenz und die Aktivitäten des Bürgerpark-Vereins sind die weg. Der Bürgerpark kippt nicht Richtung Görli, die Gefahr besteht überhaupt nicht. Im Gegenteil: Wir wollen den Park aufwerten und damit den ganzen Bezirk attraktiver machen.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de

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