Nachbarschaft

Veröffentlicht am 06.06.2019 von Christian Hönicke

Pankow bekämpft illegale Sitzbänke. Sie gehören besonders in Prenzlauer Berg längst zum Gehwegbild: mehr oder weniger professionell errichtete Sitzbänke an Bäumen. Manchmal sind Anwohner die Baumeister – meist jedoch Café- und Restaurantbetreiber, die so die Zahl ihrer Außensitzplätze kreativ erhöhen. Oft werden die Bänke auch mit Kissen als zur Gastronomie gehörend markiert. Dabei ist eine Umbauung von Baumscheiben laut des zuständigen Pankower Straßen- und Grünflächenamts (SGA) nicht erlaubt, sondern eine Ordnungswidrigkeit und zum Baumschutz „grundsätzlich untersagt“. Jahrelang ließ man die Bankbauer trotzdem gewähren.

Doch weil der Bestand an Straßenbäumen in Pankow ohnehin schon jedes Jahr sinkt, soll er nun offenbar verstärkt geschützt werden. Das SGA werde jedenfalls ab sofort darauf hinwirken, „dass jeglicher ‚Wildwuchs‘ in Bezug auf solche Sitzbänke und Einfriedungen vermieden bzw. wieder abgebaut wird“. Das betreffe alle ungenehmigten Bänke. Dies teilte Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) in Vertretung des zuständigen Bezirksstadtrats Vollrad Kuhn (B‘90/Grüne) mit.

Eine dieser „Wildwuchs“-Bänke steht (noch) im Gleimviertel. Silke Krüger (Foto) hatte sie im Oktober 2018 vor ihrem Café „Frau Krüger“ in der Schwedter Straße am nördlichen Mauerpark um einen Baum zimmern lassen. Statt einer Genehmigung bekam sie die amtliche Aufforderung zum Abbau. Die Sitzbank stelle einen „unerlaubten Eingriff in das öffentliche Straßenland“ dar. Die eingegrabenen Betonpfosten würden die Wurzeln beschädigen.

Zwar werde „bürgerliches Engagement“ für die Gestaltung des öffentlichen Raums vom SGA „grundsätzlich positiv gesehen und gerne unterstützt“, so Benn. Das Bezirksamt hat auch einen Informationsflyer zur Baumscheibengestaltung herausgegeben. Sitzbänke würden jedoch ebenso wie jegliche Art von Einfriedung „vom SGA aufgrund des hohen Risikos, dass der Baum Schaden davonträgt, generell kritisch gesehen“.

Das Amt lehnte laut Krüger auch den Vorschlag ab, eine neue Sitzbank ohne Verankerung aufzustellen. Dies stelle „eine unzulässige Erweiterung der Außenplätze dar“, so Benn, „da Passanten animiert werden, im Café erworbene Speisen und Getränke auf der Sitzbank zu konsumieren.“ Zwar dürfen Restaurants per Sondernutzungserlaubnis Tische und Stühle legal auf den Gehweg stellen – jedoch meist nur im Bereich direkt vor dem Haus.

Krüger argumentiert, die Bank sei vor allem für Anwohner gedacht, die sich dort ausruhen könnten: „Ich habe die Bank als Anwohner errichtet, ich möchte hier definitiv nicht bewirten. Vor allem Menschen mit Kinderwagen und aber auch ältere Menschen machen hier gerne eine Pause.“ Das Amt sieht das anders und bleibt hart: Die Bank soll weg.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Die Anti-Bank-pro-Baum-Offensive erfolge „im Rahmen vorhandener Ressourcen“ des überlasteten SGA, so Benn. In der Pankower Praxis dürfte das wohl bedeuten: Die Kontrolleure kommen nur auf Antrag oder nach einer gezielten Beschwerde vorbei. Die meisten Gastronomen können das Problem vermutlich also erst einmal aussitzen.

Foto: privat

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