Nachbarschaft

Veröffentlicht am 25.07.2019 von Christian Hönicke

Grün sehen derzeit viele, die im Bezirk unterwegs sind. Denn in dieser Farbe werden aktuell Radwege angepinselt. 1,2 Kilometer der Kastanienallee leuchten schon seit dem Frühjahr „verkehrsgrün“. Derzeit laufen drei weitere Maleraktionen: in der Wisbyer Straße (2,3 Kilometer), der Greifswalder Straße (2,1 Kilometer) und der Wichertstraße (Foto/2,2 Kilometer).

Durch die „Grünbeschichtungen“ sollen die Radwege markanter hervorgehoben und insbesondere Falschparker abgeschreckt werden. Sie werden von der landeseigenen InfraVelo GmbH berlinweit durchgeführt. Das Bezirksamt muss nur die Genehmigungen dafür erteilen.

Prinzipiell begrüßenswert findet das Tobias Kraudzun. Er ist Sprecher des Netzwerks Fahrradfreundliches Pankow und bei „Changing Cities“ mit der Umsetzung des Mobilitätsgesetzes beauftragt. „Ich war vorher skeptisch“, sagt er. Aber auf der Wisbyer Straße oder in der Wichertstraße „sieht das schon total super aus“. Geschützte bzw. verpollerte Radwege seien zwar grundsätzlich besser. Aber mit den grünen Streifen hätte man schon viel stärkere Argumente gegen Falschparker als bei einer gestrichelten Linie. Das Grün sei auch ein deutliches Signal, „auch für Leute, die mal wieder über die Ampel gehen und denken, ich könnte mal wieder Rad fahren. Denn das ist ja eines unserer Hauptziele, das viele Planer noch nicht immer verstanden haben: Wir möchten nicht nur die derzeitigen Radfahrer schützen, sondern auch neue Radfahrer gewinnen.“

Lediglich in der Greifswalder Straße kann Kraudzun wenig mit dem Grünradweg anfangen. „Da ist alles immer noch zu eng, alles ist gequetscht und jeder drängelt sich durch – das wird sich durch eine andere Farbe nicht ändern.“ Er fordert, die grüne Farbe nur bei ausreichend breiten Radwegen einzusetzen, „quasi als Qualitätssiegel“. In der Greifswalder müsse man dafür die Parkstreifen für Autos aufgeben.

Und ein grundsätzliches Problem bleibt auch bei grünen Radspuren: der Lieferverkehr. In der Wichertstraße etwa gibt es nur eine Autofahrspur – „es ist eigentlich absurd, denn ein Postauto kann dort nie legal zum Ausladen halten“, sagt Kraudzun. Das Überfahren der dicken weißen Linie ist laut StVO nur zum regulären Einparken ausnahmsweise erlaubt. „Wir brauchen für den Lieferverkehr Entladezonen oder zumindest alle 200 Meter kleine Liefertaschen.“
Foto: InfraVelo

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de

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