Nachbarschaft

Veröffentlicht am 19.12.2019 von Christian Hönicke

Zaunzoff im Bürgerpark von Berlin-Pankow: „Diebstahl an allen Pankower Bürgern“ wirft eine Anwohnerinitiative dem Bezirksamt vor. Es geht um den Bürgerpark. Genauer gesagt einen etwa 40 Meter langen und knapp drei Meter breiten Streifen darin, den sich das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) unlängst zuschlug. Der gehörte bisher zum Eingangsweg in den Park aus Richtung Süden. Im Zuge der Umbauarbeiten des benachbarten SGA-Stützpunkts wurde jedoch die Grenze um besagte drei Meter nach Osten in den Park hinein verschoben. Dazu wurden eine alte Buchenhecke weggerissen, ein Graben angelegt und ein neuer Metallzaun gebaut (siehe Foto oben).

Gegen diese „unrechtmäßige Vereinnahmung von Bürger-Eigentum“ durch das SGA will die „Bürgerinitiative Schulzestraße/Nordbahnstraße“ nun rechtlich vorgehen. Sie beruft sich auf das Amtliche Liegenschaftskataster: „Wir fordern die Wiederherstellung des dort kartografierten Zaunverlaufs zu Gunsten des historischen Eingangsportals.“

Gemeint ist das südliche Eingangsportal des Parks an der Wilhelm-Kuhr-Straße. Die ist nach dem früheren Bürgermeister benannt, der seinen Pankowern den Park einst als Geschenk überließ. Der Bezirk habe daher eine „historische Verpflichtung, den Park späteren Generationen in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten“, so die Initiative. Die „eigenmächtige Versetzung“ des kartografierten Grenzverlaufs widerspreche dem.

Bereits alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt hat deswegen Hans Strauß von der Initiative. Im April 2019 legte er schriftlich Einspruch beim Bezirksamt gegen die „Landnahme historischen Gebietes“ ein. Im Mai beschwerte er sich beim Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses. Doch der folgte der Argumentation des Bezirksamts: Der SGA-Stützpunkt sei „für die Pflege im Ortsteil Pankow von zentraler Bedeutung und musste den gestiegenen Ansprüchen entsprechend angepasst werden“.

Die Grenzverschiebung sei durch die neue Personalunterkunft notwendig geworden, teilt Bürgermeister Sören Benn (Linke) in Absprache mit dem zuständigen Stadtrat Vollrad Kuhn (B‘90/Grüne) mit. Zur Entwässerung des Dachs bei starkem Regen habe man anstelle der alten Hecke einen Graben anlegen und den neuen Zaun dahinter aufstellen müssen.

Als besonderen Frevel empfindet der gebürtige Pankower Strauß den Umstand, dass der Zaun an der Innenseite des Eingangsportals angebracht wurde. Das Portal ist ein Einzeldenkmal – wie auch der gesamte Bürgerpark unter Denkmalschutz steht. Das SGA stand jedoch laut Benn „während der Bauarbeiten die gesamte Zeit über mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Kontakt“ – auch der Zaun sei mit ihrer Zustimmung so gebaut worden. Strauß findet das „unverständlich“ und „verantwortungslos“ vonseiten des Denkmalschutzes.

Andere Initiativen im Park sehen das differenzierter. Christian Friedrich vom „Bürgerpark Verein Pankow“ sagt: „Im Vorfeld hätten auch wir gern über die Hecke und die unnötigen Baumfällungen gesprochen.“ Der Neubau sei zu dicht an der Grenze zum Park gebaut, „das ganze Gebäude müsste einfach fünf Meter weiter Richtung Wedding stehen“. Doch er sieht auch positive Aspekte: „Die alten Gebäude waren völlig runter und der Neubau an sich war notwendig. Die SGA-Mitarbeiter machen einen guten Job im Park und brauchen dafür eine anständige Unterbringung.“ Auch die Hecke sei mittlerweile neu angepflanzt, das sei wichtig als Brutplatz für die Singvögel.

Stadtrat Kuhn kann die Aufregung um die paar Meter Bürgerpark ohnehin nicht verstehen: „Das Bezirksamt vertritt schließlich auch bei der Personalunterkunft-Maßnahme öffentliche Interessen.“ Die Bürgerinitiative um Hans Strauß vermag das nicht zu besänftigen. Ihr geht es ums Prinzip – sie fordert die Wiederherausgabe des Streifens an Pankows Bürger und kündigt weitere Schritte an: „Wir prüfen derzeit eine Klage.“ / – Text und Foto: Christian Hönicke 

+++

Dieser Text ist zuerst im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow erschienen. Den gibt es gebündelt einmal pro Woche. Kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de

Meine weiteren Themen im aktuellen Pankow-Newsletter – eine Auswahl

  • TXL-Anwohner sollen entschädigt werden
  • „Diebstahl an Pankow“: Ärger um Bezirksamts-Zaun im Bürgerpark
  • Flüchtlingsunterkünfte bleiben länger offen
  • Tram hält nun an Haltestelle „Weißer See“
  • Gleimtunnel noch bis März gesperrt
  • Baumpflege: Mehr Geld, aber Benn kritisiert fehlendes Personal
  •  Senat prüft Lärmschutzwände für Französisch Buchholz
  • Blankenburger reagieren geschockt auf Tram-Plan
  •  Zeitreise: Als Pankow noch ein Dorf war – und Prenzlauer Berg ein Acker
  • Massenschlägerei im Schlosspark
  • Weihnachtsbaumverbot? Bezirksamt winkt ab
  • …das und noch viel mehr Bezirksnachrichten, Termine und persönliche Tipps finden Sie im Pankow-Newsletter vom Tagesspiegel. In voller Länge unter leute.tagesspiegel.de